Stellt euch vor wie es sein muss, wenn man eine ganze Stadt über das eigene Mobiltelefon steuern kann. Im neuesten Open-World-Game von Ubisoft, erhält der Spieler die Macht über ganz Chicago und hat somit fast die volle Kontrolle über die US-Metropole. Wie ihr dem Titel schon entnehmen konntet handelt es sich um Watch Dogs, ein langerwartetes Spiel, welches schon zum Start der aktuellen Konsolengeneration angedacht war, denn der Titel sollte pünktlich zum PS4 und Xbox One Release erhältlich sein. Wir klären euch in unserem Test auf, ob sich die längere Wartezeit rentiert hat und ob die zusätzlichen Monate sinnvoll genutzt wurden.

Watch Dogs wurde vom kanadischen Entwicklerteam Ubisoft Montreal entwickelt und reiht sich in das Genre der Open-World-Action-Adventure ein. Das Spiel erschien für alles gängigen Heimkonsolen und den PC, doch Nintendo-Spieler müssen sich länger gedulden, denn Watch Dogs erscheint erst zu einem späteren Zeitpunkt für die Wii U. Natürlich ist es hauptsächlich dem Genre zu verschulden, dass Watch Dogs ständig mit der GTA-Reihe in Verbindung gebracht wird, doch als neue IP kann man das ruhig als Kompliment auffassen.

Die Handlung spielt in einer nahen Zukunft und in einem fiktiven Chicago, welches aber viele originale Bauten, zur echten Stadt aufweist. Der Protagonist von Watch Dogs heißt Aiden Pearce, der ein Hacker ist und so einiges mit seinem Handy anzufangen weiß. Nach einem erfolgreichen Hack wird eine Organisation, die mit kriminellen Machenschaften zu tun hat, auf Aiden aufmerksam und beauftragt jemanden, den Hacker zu beseitigen. Der Versuch führt aber zu einem Familiendrama und seit diesem Tag ist der Protagonist auf einem Rachefeldzug. Doch Aiden will nicht nur Rache für seinen großen Verlust, sondern auch seine Familie vor weiteren Gefahren schützen.

Watch Dogs 1

Die Story ist zeitweise sehr fesselnd und es werden sehr viele ernste Themen aufgegriffen. Die emotionale Geschichte wird aber sehr oft von kleinen Späßchen überschattet, die den Ernst der Lage etwas vermindern. Der Humor wirkt an manchen Stellen etwas erzwungen und vielleicht hätte man hier die ernstere Schiene beibehalten sollen. Doch es gibt auch einige Situationen, die den Puls in die Höhe schnellen lassen und einem die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Durch diese Momente bemerkt man, dass die Entwickler von Ubisoft Montreal, etwas von gutem Storytelling verstehen und wissen wie man den Spieler an die Konsole fesselt.

Da es sich bei Watch Dogs um einen Open-World Titel handelt, weist das Spiel viele verschiedene Gameplay-Elemente auf und man kann mit unterschiedlichen Methoden zum vorgegebenen Ziel gelangen. Das große Feature, welches Watch Dogs von anderen Titeln im selben Genre unterscheidet, ist das Hacken. Gut das im fiktiven Chicago alle Systeme über ein einzelnes Netzwerk, dass sogenannte CtOS (Central Operating System), gesteuert werden. Der Hauptcharakter hat mit seinem Smartphone Zugriff auf dieses System und kann verschiedene Dinge anstellen, die einem das Leben um einiges leichter gestalten.

Mit den verschiedenen Hacks kann Aiden die Straße beeinflussen und beispielsweise Ampeln umschalten, Poller aufstellen oder einfach ein Gasrohr unter der Fahrbahn zur Explosion bringen. Wenn man den Dreh heraus hat, erhält der Spieler mit diesen hilfreichen Fähigkeiten, ein Gefühl der vollen Kontrolle. Besonders die Verfolgungsjagten per Fahrzeug, in Verbindung mit den Straßen-Hacks, ermöglichen ein neuartiges Spielerlebnis. Auf der Flucht kann man entweder mit dem Fahrzeug flüchten bis man aus einer gewissen Begrenzung entkommt, oder man steigt einfach in den Zug und lässt diesen per Hack los düsen.

Aber auch außerhalb der Fahrbahn kann der Protagonist mit seinem Handy so einiges anstellen. Wenn man zu wenig Geld für neue Kleidung hat, muss man sich die Hände nicht unbedingt schmutzig machen, denn Aiden kann sich per Hack die Kontodaten der vielen Passanten ansehen, um ganz gemütlich zur Bank zu wandern und die Bankkonten zu plündern. Leider gibt es nicht sehr viele Dinge, die man zum Geld ausgeben machen kann und deshalb muss man dieses Feature auch nicht verwenden.

Moderne Open-World Games müssen natürlich auch Shooter-Elemente aufweisen und auch Watch Dogs hat die üblichen Schießerei-Passagen, die wiederum nach dem GTA-Vergleich verlangen. Man kann verschiedene Waffen bei sich tragen und diese können dann über ein Waffenrad ausgewählt oder gewechselt werden. Waffen kann man von besiegten Gegnern aufnehmen oder in den vielen Waffenläden, die in der ganzen Stadt verteilt sind, kaufen. Wer hier zukunftsmäßige Cyber-Waffen erwartet, wird enttäuscht werden, denn die Waffenauswahl beschränkt sich auf alte Bekannte, die immer wieder in Shooter-Games vorkommen. Neben den verschiedenen Schusswaffen gibt es auch Handgranaten und Haftgranaten, bei denen man die Explosion zeitversetzt auslösen kann.

Watch Dogs 2

Die Schusswechsel können in den meisten Fällen aber auch umgangen werden, denn es sind auch viele Stealth-Elemente im Spiel verbaut. Was den Schleichpassagen zugutekommt, sind die Hacker-Fähigkeiten von Aiden. Die Kommunikationsgeräte der postierten Wachen können geknackt werden, um Zugangscodes zu verschlossenen Türen zu erhalten oder um die Aufpasser abzulenken. Hat man die rustikale Art lieber, besteht auch die Möglichkeit gegnerische Handgranaten auszulösen, um die Feinde zu sprengen. Wenn man die Gegner nur verletzen oder irritieren möchte, kann man Gabelstapler bewegen, oder kleine Explosionen tätigen.

Sehr spannend sind die Verfolgungsjagten, die sehr häufig bei Watch Dogs vorkommen. Und dies hat wahrscheinlich den Grund, dass Aiden sehr viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um vor Gefahrenquellen zu flüchten. Eine dieser Funktionen lernt man schon sehr früh kennen und dieses Feature dürfte auch das beliebteste sein. Der Profi-Hacker kann nämlich in gefährlichen Situationen für Verwirrung sorgen und dies funktioniert am besten wenn man nachts den Strom ausmacht. In der Dunkelheit kann man viel leichter flüchten und den eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen. Auch die Sensoren der Polizeihelikopter können gestört werden, um eine sichere Flucht zu gewährleisten.

Auch die Fahrzeuge spielen eine wichtige Rolle bei Watch Dogs, denn die Karte vom fiktiven Chicago ist nicht gerade klein. Zwar gibt es eine Schnellreisefunktion, aber mit den Autos zu cruisen macht deutlich mehr spaß. Auf dem Asphalt kann man sich mit Motorrädern, Autos oder sogar LKWs fortbewegen. Es gibt verschiedene Fahrzeugklassen, wobei sich viele sehr ähnlich steuern lassen. Das Fahrverhalten ist nicht gerade perfekt und kommt an aktuelle Rennspiele nicht heran, aber für ein Open-World-Game reicht das Repertoire an Fahrzeugen völlig aus. Und auch auf dem Wasser gibt genügend Transportmittel, welche man selbst steuern kann und zwar sind das verschiedengroße Boote. Das macht nicht ganz soviel Freude, weil es so aussieht als ob man sich in Zeitlupe fortbewegt.

Neben der Kampagne, rund um Aidens Rachefeldzug, kann man auch viele Nebenmissionen und Minispiele bestreiten. Dadurch kann man wiederum Skillpunkte erhalten, die man zum Erlernen von neuen Fähigkeiten braucht. Es gibt verschiedene Arten von Nebenmissionen und einige möchte ich euch näher bringen:

  • Verbrechen: Immer wieder werden Orte angezeigt, an denen bald ein Verbrechen stattfinden wird. Hier muss man meistens jemanden an einer Straftat hindern und niederstrecken.
  • Verbrecher-Konvois: Hier fährt eine Verbrecherbande eine gewisse Strecke entlang und muss vor dem Ziel aufgehalten werden. In den meisten Fällen muss der Kopf der Bande niedergestreckt werden. Die anderen Mitglieder kann man beseitigen oder vor ihnen flüchten.
  • Gang-Versteck: Hier schleust man sich in ein gesperrtes Gebiet und besiegt wiederrum den Chef der Bande und flüchtet anschließend.
  • Fixer-Auftrag: In dieser Nebenmission muss man zuerst den Standort eines anderen Hackers herausfinden, weil dieser Daten von einem stiehlt. Danach folgt meistens die Flucht vom Kontrahenten. Hat man den Übeltäter erwischt muss man ihn nur noch ausknocken um die Skillpunkte zu erhalten.

Eine lustige Alternative zu den Nebenmissionen sind die virtuellen Trips. Dabei handelt es sich um eine moderne Droge, die über Soundeffekte wirkt und den Spieler zu skurrilen Trips beamt. Bei einem dieser Trips sind alle Farben der Stadt kräftiger dargestellt und man hüpft durch ganz Chicago von Blume zu Blume. Springt man stattdessen auf den Asphalt beginnt man wieder am Anfang. Die Trips bestehen aus verschiedenen Levels, können aber jederzeit abgebrochen werden.

watch dogs 3

Die verdienten Skillpunkte kann man zum Erlernen neuer Fähigkeiten nutzen, denn Aiden stehen nicht alle Hacks und Fähigkeiten von Anfang an zur Verfügung. Dieses Element passt sehr gut zum Spiel, aber leider hat man schnell alle Fähigkeiten erlernt und somit fällt dieses Feature nach kurzer Spielzeit ins Wasser. Und weil man alles schnell erlernt hat, gibt es auch keine individuellen Spielweisen, da jeder Spieler auf alle Skills zurückgreifen kann.

Watch Dogs bietet einige optische Highlights, die man so in Videospielen noch nicht gesehen hat. Beispielsweise Explosionen mit deren Lichtpartikeln und Rauchwolken sehen grandios aus. Dies gilt auch für explodierende Gasleitungen unter dem Asphalt, welche eine Schockwelle auslösen, die sehr realistisch aussieht. Aber die Medaille hat auch eine Kehrseite, denn viele visuelle Erscheinungen sehen nicht gerade nach NextGen aus und wurden sogar schon auf der PS3 und Xbox 360 besser umgesetzt. Viele Fahrzeuge sehen aus wie Spielzeugautos und manche Gebäude wirken kahl und eintönig.

Fazit

Das Gefühlt eine ganze Stadt unter Kontrolle zu haben konnte mir bisher noch kein Spiel vermitteln, aber Ubisoft ist mit Watch Dogs genau dies gelungen. Durch das Hacken hat man so viele Möglichkeiten an das Spiel ranzugehen und man fühlt sich schon von Beginn an sehr mächtig. Die gegnerische KI reagiert lebensecht und man muss sich stets eine passende Taktik überlegen. Optisch konnten einige Highlights, wie die Explosionen, einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Auch wenn einige Fahrzeuge und Gebäude nicht gerade liebevoll gestaltet wurden. Bietet Watch Dogs eine sinnvolle alternative zu GTA? Diese Frage muss ich ganz klar mit einem JA beantworten, denn die neue IP hat einige neue Elemente zu bieten, die dem Genre gut tun. Die Spannung wird an manchen Stellen durch fragwürdigen Humor abgebaut, aber solche Momente werden durch emotionale Wendungen wieder ausgebügelt. Watch Dogs ist ein tolles Spiel geworden und Fans der offenen Welt sollten sich das Spiel nicht entgehen lassen.

Pro

  • Sehr umfangreich
  • Fähigkeitenbaum
  • Gute Synchronisation (deutsch)
  • Soundtrack
  • Zahlreiche Nebenmissionen
  • Digitale Trips
  • Sehr gute KI
  • Viele taktische Freiheiten
  • Hacken ermöglicht neues Gameplay
  • Wunderschöne Gewitter in Chicago

Contra

  • Merkwürdiges Fahrverhalten
  • Man erlernt alle Fähigkeiten sehr schnell
  • Teilweise gezwungener Humor
  • Unschöne Orte in Chicago
  • Missionen ähneln sich oft
  • Keine innovativen Waffen
  • Lange Ladezeiten

8/10

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