Sie wollte sich einen Namen machen. Den Abenteuern nachjagen, doch stattdessen haben die Abenteuer sie gejagt. Tomb Raider, von Square Enix und Crystal Dynamics, ist der neueste Teil der gleichnamigen Spielereihe und erzählt vom ersten Abenteuer von Lara Croft und davon, wie sie von der jungen Archäologin zu der starken, selbstbewussten Abenteurerin wurde, die wir alle kennen.

Als junge Archäologin Lara Croft machen wir uns gemeinsam mit einem Team aus befreundeten Archäologen unter der Leitung von Professor James Whitman auf die Suche nach der geheimnisvollen Insel Yamatai. Doch als die Endurance, das Schiff dieser Expedition, Kurs auf die vermutete Position der Insel nimmt, gerät es in einen Sturm, bricht auseinander und das Team wird getrennt. Als Lara zu sich kommt, hängt sie gefesselt in einer Höhle voller Leichen. Ein Verrückter Einwohner der Insel hat sie entführt und versucht sie nun an ihrer Flucht zu hindern, doch Lara kann fliehen und muss nun versuchen ihre Freunde zu finden und gemeinsam mit ihnen von der Insel zu entkommen.

Mit fortlaufendem Spielverlauf wird klar, man befindet sich tatsächlich auf Yamatai, und auf dieser Insel lebt eine Sekte, die eine alte japanische Sonnengöttin, Himiko, anbetet. Doch diese Sekte ist nicht darauf aus, Lara und ihren Freunden zu helfen und so wird die Forschungsreise zu einem Überlebenskampf, der Lara von der jungen unschuldigen Studentin zu der Abenteurerin werden lässt, die wir alle kennen. Dabei lernt sie ihre eigenen Ängste zu überwinden, in der Wildnis zu überleben und auch Menschen zu töten, wenn es sein muss.

Tomb Raider erzählt also das erste Abenteuer von Lara Croft und zieht den Spieler mit seiner Story in seinen Bann. Dabei wird auch Wert darauf gelegt, dass der Spieler nicht nur als Zuschauer agiert, sondern sich in die Lage von Lara zu versetzen, was durch gut inszenierte Zwischensequenzen und schmerzhaften sowie auch emotionalen Momenten gelingt. Damit treibt die Story den Spieler immer weiter, gönnt ihm jedoch auch immer wieder Verschnaufpausen um die Umgebung zu erforschen.

Die Insel hat von Stränden mit Schiffswracks, über bewaldete Täler bis hin zu einer großen Barrackenstadt alles zu bieten. Die vielfältigen Umgebungen laden Spieler immer wieder dazu ein, die Areale bis in den letzten Winkel zu erforschen, nicht zuletzt um Bergegut, das zum Verbessern von Waffen benötigt wird, sondern auch um einfach die liebevoll gestaltete Insel zu erkunden. Natürlich fehlen auch in diesem Tomb Raider Spiel die versteckten Gräber mit ihren Schätzen nicht, die mit kleinen Rätseln verbunden sind.

Etwas zu viel Action?

Aber so einladend die Insel teilweise wirkt, so hektisch kann es manchmal zugehen. Tomb Raider verzichtet zwar nicht auf die altbekannten Kletter- und Sprungpassagen, dennoch fallen diese deutlich kürzer aus und man merkt schnell, dass das ganze Spiel auf demselben Prinzip aufbaut. In jedem neuen Gebiet warten bereits Gegner auf Lara, die man erstmal ausschalten muss, um anschließend das Gebiet zu erforschen. Nicht selten fühlt man sich dabei eher wie in einem Third-Person Action Shooter. Man hat zwar die Möglichkeit, die Gegner mit dem Bogen leise auszuschalten, spätestens nach dem dritten Gegner wird man aber im Normalfall entdeckt und sieht sich gezwungen zur Pistole oder dem Sturmgewehr zu greifen.

Große Tempel, deren Erkundung mehrere Stunden dauern kann, mit viel Rätseln, Vorsprüngen, Plattformen und Fallen gibt es so in diesem Abenteuer von Lara Croft überhaupt nicht mehr. Zwar muss man oft an Ruinen oder Klippen hochklettern um weiter zu kommen, meist aber nur um festzustellen, dass die nächsten Gegner bereits auf einen warten. Alles in allem halt ein bisschen zu viel Action, und zu wenig Klettern und Rätseln.

Einmal Schrott, zum Mitnehmen!

Lara erlangt im Laufe des Spiels  4 Waffen. Den Bogen, eine Pistole, ein Sturmgewehr und eine Schrotflinte. Anfangs sind die Waffen noch alte, Reliquien aus dem zweiten Weltkrieg, die gerade noch so ihren Zweck erfüllen. Die Nachteile der Waffen überwiegen anfangs noch die Vorteile und so greift man freiwillig zum Bogen, um Gegner lautlos zu töten und es gar nicht zu einem Feuergefecht kommt – und mal im Ernst: so ein Bogen hat schon Stil!

Aber natürlich lässt einen Tomb Raider nicht lange mit diesen alten Waffen allein und bietet dem Spieler die Möglichkeit, seine Waffen zu verbessern. So kann man größere Magazine, gepolsterte Griffe und ähnliches kaufen. Als „Währung“ wird hierfür Bergegut, also Schrott benötigt. Diesen findet man in kleinen Kisten überall auf der Insel. Mit der Zeit findet man auch bessere Waffen, die wiederum bessere Modifikationen, wie Brandmunition und Granatenwerfer zur Verfügung stellen. Wer also gute Waffen haben will, muss die Insel nach  Schrott absuchen!

Neben den Waffenverbesserungen gibt es noch Fähigkeiten, die es Lara zum Beispiel ermöglichen, mit ihrem Überlebensinstinkt Sammelgegenstände auch durch Wände hindurch wahrzunehmen. Nahkampffertigkeiten können ebenfalls mit Fähigkeitspunkten gekauft werden. Diese Punkte erlangt man durch Sammeln von Erfahrungspunkten, die man – wie könnte es anders sein – durch Vorankommen der Story, Erlegen von Tieren, Abschließen von Herausforderungen (wie das Sammeln von bestimmten Gegenständen) und Töten von Gegnern bekommt.

Um Fähigkeiten oder Waffen zu verbessern, muss man sich ein Lager suchen. Diese sind an vorgegebenen Plätzen und bieten die Möglichkeit erhaltenen Schrott und Erfahrungspunkte auszugeben, zu speichern (es gibt sonst nur eine automatische Speicherfunktion im Spiel) und wieder zu anderen Lagern zurückzureisen und bereits betretene Gebiete zu erforschen.

Damit steht es dem Spieler selbst frei, wie stark seine Waffen sind und bis zu einem gewissen Grad auch, wie actionlastig sich Tomb Raider gestaltet. Natürlich bleiben einem die gescripteten Konfrontationen mit Gegnern und diverse Explosionen nicht erspart, das Sammeln von Schrott und das Jagen von Tieren bringt jedoch gute Abwechslung und Ruhe in das Abenteuer und das Suchen von Sammelgegenständen bringt den Spieler auch dazu, Höhlen zu erforschen und an so manch einer Klippe herum zu klettern.

Technisch einwandfrei?!

Technisch kann man nicht viel zu dem Spiel sagen. Die Grafik ist unglaublich gut gelungen. Die Insel ist detailverliebt gestaltet, die Charaktere sind sehr fein ausgearbeitet und Grafikfehler sucht man hier vergebens. Die Hell/Dunkel Verhältnisse sind an sich gut gemacht, selten kommt einem das Spiel aber etwas sehr dunkel vor, wenn man sich in der Nacht im Wald bewegt. An der Soundkulisse kann man genauso wenig aussetzen. Zu einem großen Teil wird auf Hintergrundmusik verzichtet, stattdessen hat man sich auf realistische Hintergrundgeräusche wie Vogelgezwitscher, oder das Rascheln von Blättern konzentriert.

Ein Punkt, der unbedingt hervorgehoben werden sollte, ist die deutsche Synchronisation. Sooft schon hat man erlebt, wie unmotivierte Sprecher eine gute Story vermiesen können. Doch Tomb Raider ist eines der wenigen Spielen, denen die deutsche Synchronisation richtig gut tut! Im deutschen leiht Nora Tschirner, bekannt aus Keinohrhasen, Lara ihre Stimme und schafft es unglaublich gut, die junge Archäologin zu vertonen. Man mag es kaum glauben, aber die deutsche Stimme von Lara, passt tatsächlich auf die junge, anfangs unsichere Frau, die an sich selbst zweifelt und erst zu der Heldin heranwächst, die sie am Ende des Spiels ist.

Multiplayer – muss das sein?

Es scheint heutzutage kein Spiel mehr ohne Multiplayer zu geben. Dabei soll der Multiplayer das Spiel ergänzen und das Spiel um einige Stunden bereichern. Aber nicht jedes Spiel braucht einen Multiplayer und Tomb Raider gehört definitiv dazu. Der Mehrspielermodus ist, wie bei Assassin’s Creed und Binary Domain, an das Setting der Story eingebettet, ist aber nicht mehr als ein durchschnittlicher 08/15 Multiplayer.

Es gibt zwei Parteien: Die Solarii, die Sekte, die auf Yamatai lebt, und die Gestrandeten, also Lara und ihre Verbündeten. Auf fünf Karten, die teilweise aus der Kampagne genommen wurden, kann man in drei Spielmodi gegeneinander antreten. Die Spielmodi sind eine Art „Team-Deathmatch“, „König des Hügels“ und „Erobere die Flagge“. Dabei treten immer vier gegen vier an. Die Waffen, die dem Spieler zur Verfügung stehen, sind dabei aus der Story bereits bekannt, um bessere Waffen freizuschalten muss man erstens immer einen bestimmten Level erreichen und zweitens Schrott während der Mehrspielermatches sammeln, den man dann ausgeben muss.

Viel mehr gibt es zum Multiplayer nicht zu sagen. Er ist nicht wirklich schlecht, aber halt der typische „es muss noch ein Mehrspielermodus her“-Multiplayer.

Fazit

Tomb Raider ist wohl der Teil der Serie mit der meisten Action. Auch wenn es für Fans der alten Tomb Raider Spieler, an großen Tempelanlagen mit Rätseln und Fallen mangeln mag und das Spiel stellenweise an Uncharted erinnert, kann man doch sagen, dass das neueste Abenteuer von Lara Croft ihr bestes ist. Die Story an sich bietet bereits über zehn Stunden Spannung, wer versucht alle Sammelobjekte zu finden und alle Waffen und Fähigkeiten zu maximieren, verbringt gut und gern 20 Stunden mit Lara. Grafisch holt das Spiel aus der Konsole, was zu holen ist und die liebevoll gestaltete Insel lädt zum Erkunden ein.

Pro

  • Packende Story
  • Große Spielwelt
  • Motiviert zum Erkunden der Insel
  • Laras Entwicklung zur Heldin gut inszeniert
  • Motivierte deutsche Sprecher
  • Grafisch wirklich top
  • Teils atemberaubende Zwischensequenzen

Contra

  • Multiplayer hätte nicht sein müssen
  • Etwas zu viel Action
  • und etwas zu wenig Rätsel

9,0/10

Über den Autor

Stefan B.

Rollenspiel und Hack'n'Slay Fan mit masochistischem Hang zu schweren Spielen, bei denen die Emotionen hoch gehen.

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