Das von Eidos Montreal entwickelte Thief erweckt die klassische Thief-Serie, die mit Thief: Dark Project 1998 ihr Debüt feierte, wieder zum Leben. Zehn Jahre sind mittlerweile ins Land gezogen seit der damals letzte Teil der Serie, Thief: Deadly Shadows, erschien. Nun schlüpfen wir erneut in die Haut des Meisterdiebs Garrett und ziehen plündernd durch eine namenlose Stadt.

Die Geschichte spielt einige hundert Jahre nach den Geschehnissen der Originalserie. Garrett kehrt in seine alte Heimatstadt zurück und begibt sich dort zusammen mit seinem ehemaligen Zöglin Erin auf die Suche nach dem Urkraftstein. Am Zielort angekommen werden sie Zeugen eines seltsamen Rituals bei dem Erin ihr Leben verliert und Garrett nur knapp mit selbigem davonkommt. Das eigentliche Spiel beginnt ein Jahr später, als Garrett wieder zu sich kommt und feststellen muss, dass sich seine Heimatstadt drastisch verändert hat. In den Straßen patrouillieren die Soldaten des despotischen Barons und eine Krankheit, genannt Schwermut, rafft große Teile der armen Bevölkerungsschicht dahin.

Man wird nun mit vielen Fragen bezüglich der vorgefallenen Veränderungen, der seltsamen Seuche und dem Urkraftstein in die namenlose Stadt entlassen. Diese ist zwar grundsätzlich frei begehbar, doch werden einzelne Teile der Stadt durch Ladebildschirme unterbrochen. Auch fällt der modulare Aufbau recht schnell dadurch auf, dass ein gerade aufgebrochenes Fenster, durch das man in eine Wohnung eingestiegen ist, sofort wieder hinter einem geschlossen wird, um das ganze Spiel performant am Laufen zu halten.

Abgesehen davon bieten sich in der Stadt jedoch viele Möglichkeiten an Diebesgut zu kommen. So kann man, wie bereits erwähnt, in allerlei Wohnungen und Geschäfte einsteigen und dort alles einstecken, was nicht niet- und nagelfest ist. Dabei steckt man natürlich nicht nur frei umherstehende Wertgegenstände ein, sondern untersucht Schreibtische genauso wie Schränke und knackt dabei gegebenenfalls einfach das zugehörige Schloss. Dazu muss man mittels Analog Stick für jeden Pin die richtige Position finden und diesen dann fixieren. Während man dafür standardmäßig auch ein visuelles Feedback in Form von Punkten bekommt, wird das ganze interessanter, wenn man diese Option ausschaltet und sich lediglich auf die leichte Vibration und die Bewegung von Garretts Fingern konzentriert.

Gleiches gilt auch für das Untersuchen von Bilderrahmen, um einen dahinter versteckten Tresor freizulegen. Denn die Bewohner verstecken besonders wertvolle Gegenstände natürlich in Tresoren anstatt sie offen herumstehen zu lassen.

Da sich in den Straßen der Stadt viele Wachen und Soldaten umherbewegen, muss man auch hier auf seine Tarnung achten und sich möglichst im Schatten bewegen. Als Meisterdieb ist man nämlich kein sonderlich guter Kämpfer und sollte Konfrontationen deswegen tunlichst aus dem Weg gehen. Sollte es dennoch einmal zu einem Kampf kommen, kann man lediglich auf einen Schlagstock und seine Ausweichfähigkeiten zurückgreifen. Während man einen Angreifer so noch recht locker abwehren kann, steigt die Wahrscheinlichkeit zu verlieren proportional zur Anzahl der Gegner.

Außer auszuraubenden Bewohnern und Wohnungen findet man in der Stadt auch Händler bei denen man das verdiente Geld für Ausrüstungsgegenstände, wie Pfeile oder Nahrung, Items mit passiven Boni und Werkzeuge ausgeben kann. Letztere eröffnen meist neue Möglichkeiten sich durch die Stadt zu bewegen oder sein Einkommen aufzubessern. So kann man mit dem Schraubenzieher beispielsweise wertvolle Platten von Häusern schrauben oder Luftschächte öffnen, die in weiterer Folge einen neuen Weg eröffnen. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit Fokuspunkte zu kaufen, um die gleichnamige Fähigkeit zu verbessern. Benutzt man den Fokus werden alle wichtigen Gegenstände, wie zum Beispiel Schätze, Klettermöglichkeiten oder Gefahren, hervorgehoben. Dies mag Thief-Puristen natürlich nicht gefallen, doch kann man das ganze Spiel auch problemlos ohne diese Fähigkeit absolvieren.

Das größte Problem der Stadt sind jedoch nicht die bereits erwähnten Ladezeiten, sondern die etwas mühselige Navigation von einem Punkt zum nächsten. Neben der Stadt selbst warten natürlich auch noch unterschiedliche Missionen auf Garrett, um den offenen Fragen auf die Spur zu kommen. Diese finden in abgeschlossenen Arealen statt und konfrontieren euch mit einem bestimmten Ziel, das ihr erreichen müsst.

Dabei hat man die Wahl, wie man die unterschiedlichen Missionen absolviert. So kann man beispielsweise heimlich agieren, ohne jemals von einer Wache entdeckt zu werden und ohne jemanden zu verletzen, oder man räumt alle Gefahren aus dem Weg. Ersteres ist natürlich  nicht so leicht, da die KI sehr gut umgesetzt wurde und sehr schlau agiert. Löscht man beispielsweise eine Fackel mit einem Wasserpfeil, wird diese prompt wieder von einer Wache angezündet, sodass man seine Schritte gut planen muss, um einen Vorteil daraus zu schlagen. Etwas erleichtert wird das ganze jedoch durch eine Fähigkeit, die es euch erlaubt, eine bestimmte Distanz quasi unsichtbar zu überwinden.

Neben der Kampagne finden sich auch noch weitere Spielmodi, die basierend auf eurem Spielstil freigeschaltet werden. Seine Ergebnisse kann man dabei mit denen von anderen Spielen aus aller Welt vergleichen.

Während Thief grafisch mit einer atmosphärisch gut umgesetzten Stadt und dem guten Einsatz von Licht und Schatten punkten kann, gibt es hier und da etwas grobe Partikelsysteme und auch die Mimik der Charaktere hätte etwas detaillierter ausfallen können. Beim Sound gibt es eine solide deutsche Synchronisation und meist eine passende musikalische Untermalung, die sich dezent im Hintergrund hält und somit gut zur Diebesatmosphäre beiträgt.

Erfreulich sind auch die unzähligen Anpassungsmöglichkeiten, mit denen man das Spiel auf seine eigenen Bedürfnisse einstellen kann. So kann man beim Start eines neuen Spiels nicht nur zwischen den bereitgestellten Schwierigkeitsgraden wählen, sondern auch seinen eigenen definieren, indem man verschiedene Hilfen oder Optionen deaktiviert. Somit kann man Thief so konfigurieren, dass es sich beinahe gleich wie das Original spielt.

Zwar hat man prinzipiell die Freiheit das Spiel nach seinen Vorstellungen zu spielen, doch gibt es hier leider ein paar Einschränkungen. So kann man nur an jenen Stellen klettern, an denen es von den Entwicklern vorgesehen ist und so steht man oftmals vor Gegenständen die man erklimmen können müsste, jedoch nicht kann. Auch beim Hinunterspringen gibt es eine kleine Inkonsistenz. So kann man teilweise einfach über eine Kante laufen, während man an anderer Stelle eine Taste drücken muss, um hinunterzuspringen und an ganz anderen Stellen kann man, warum auch immer, gar nicht nach unten klettern.

An dieser Stelle seien noch ein paar nette Features der Playstation 4-Version erwähnt. So kann man das Inventar praktisch über das Touchpad bedienen, das gesamte Touchpad das Inventar darstellt und man seinen Finger nur über den jeweiligen Slot bewegen muss. Auch wird die Lichtleiste des Controllers dazu verwendet die Sichtbarkeit von Garrett anzuzeigen. Leuchtet die Leiste dunkelblau, so ist man versteckt, während sie weiß leuchtet wenn man für Gegner sichtbar ist.

Fazit

Thief hat es sicherlich schwer in die Fußstapfen einer so erfolgreichen Serie zu treten, zumal Fans einer Serie nicht leicht zufrieden zu stellen sind. Objektiv betrachtet ist Thief ein gelungenes Stealth Spiel, das mit einer sehr guten KI, einer starken Atmosphäre und vielen Freiheiten punkten kann. Fans des Originals könnten jedoch etwas enttäuscht sein, da einige Elemente abgewandelt oder gar ganz entfernt wurden. Durch die umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten, kann man das Spiel jedoch so konfigurieren, dass es sehr nahe an das Original herankommt.

Pro

  • Starke Atmosphäre
  • Freiheiten im Erkunden und Abschließen von Missionen
  • Sehr gute KI
  • Viele Konfigurationsmöglichkeiten für Spiel und HUD
  • Viele Sammelgegenstände und Nebenaufgaben
  • Gelungene Umgebungsrätsel

Contra

  • Schwache Story
  • Inkonsistenz beim Herabspringen von Erhöhungen
  • Mühsame Navigation durch die Stadt
  • Modulare Stadt mit Ladezeiten

8/10

2 Responses

  1. Roman

    ja bin voll eurer meinung nur keine 8 von 10 punkten !!! aus dem spiel hätte man sicher mehr machen können nur es fehlt absolut am spielspaß und das navigieren durch die stadt und überhaupt das bei jeden ladevorgang die gegner neu da sind ist echt mühsam !!! ich würde max 6/10 punkten geben !!

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