Das 2006 von ehemaligen Lionhead Studios-Mitarbeitern gegründete Entwicklerstudio Media Molecule, landete 2008 mit seinem Debutspiel LittleBigPlanet einen Hit, der vielfach ausgezeichnet wurde. Drei Jahre drauf folgte mit LiggleBigPlanet 2 der direkte Nachfolger, der ebenso gut bei den Spielern sowie der Fachpresse angekommen ist. Mittlerweile sind weitere zwei Jahre ins Land gezogen und Media Molecule feiert mit Tearaway nun seinen Einstand auf der PS Vita. Ob der neueste Streich aus der englischen Kreativschmiede mit den vorangegangenen Erfolgen mithalten kann, erfahrt ihr in unserer Review.

Die Geschichte dreht sich um den Boten Iota (beziehungsweise sein weibliches Pendant Atoi), in dessen Briefumschlagkopf sich eine wichtige Nachricht befindet, die an den Spieler selbst adressiert ist. Da der Spieler jedoch ein gottähnliches Wesen ist, befindet er sich in der Sonne der Papierwelt und die Auslieferung der Nachricht gestaltet sich schwieriger als erwartet. Doch als so mächtiges Wesen hat man natürlich verschiedene Kräfte, um mit der Welt interagieren und Iota bei seinem Auftrag helfen zu können. Jedoch unterstützt man den kleinen Umschlag auf seiner Reise nicht nur, sondern man übernimmt gleich die Kontrolle über ihn.

Von Beginn an kann man sich dabei frei durch die unterschiedlichen Levels des Spiels bewegen. Während Iota anfangs nur umherlaufen kann, lernt er im Laufe des Abenteuers neue Fähigkeiten wie beispielsweise Springen oder Rollen, die man fortan jederzeit einsetzen kann. Neben diesen aktiven Fähigkeiten, die per Knopfdruck ausgelöst werden, muss man den kleinen Umschlag auch mit seinen eigenen Mächten unterstützen und durch das Abenteuer führen.

So gibt es spezielle Stellen in den Levels, an denen man seine Finger in die Papierwelt stoßen und mit den dort befindlichen Gegenständen interagieren kann. So muss man Gegenstände bewegen, um mit ihnen Brücken zu bauen oder Mechanismen in Gang zu setzen. An anderer Stelle muss man auf das rückwärtige Touchpad drücken, um Trampoline auszulösen, die Iota in die Luft schleudern. Darüber hinaus kann man auch noch über den Touchscreen mit der Welt interagieren und bestimmte Gegenstände, die mit einer schimmernden Oberfläche markiert sind, manipulieren. Erfreulicherweise finden sich das ganze Spiel hindurch immer wieder neue Spielmechaniken, die noch weitere Funktionen der PS Vita nutzen, sodass man bis zuletzt mit neuen Herausforderungen konfrontiert wird.

Im Zuge der Geschichte muss man auch kleinere Aufgaben erledigen, wie beispielsweise einen Kürbis für eine Vogelscheuche finden oder jemanden – sowohl sich selbst als auch andere Charaktere – neu gestalten. Hierzu stehen verschiedenste Dekorationen zur Verfügung, die man auf dem jeweiligen Charakter frei platzieren kann. Die meisten dieser Dekorationen muss man sich jedoch kaufen, bevor man sie verwenden kann. Die gängige Währung in der Papierwelt ist dabei passenderweise Konfetti, das man in den Levels findet.

Wer mit seinem Aussehen nicht zufrieden ist, kann sich außerdem jederzeit selbst verschönern und umdekorieren. Außerdem kann  man auch seiner kreativen Ader freien Lauf lassen, indem man Dekorationen ganz einfach selbst herstellt. In der Spieleigenen Bastelstube steht verschiedenfarbiges Papier zur Verfügung, mit denen ihr persönliche Kreationen erstellen könnt. Dafür zieht man das gewünschte Papier einfach auf die Arbeitsfläche, zeichnet mit dem Stift die gewünschte Form und lässt diese vollautomatisch von der Schere ausschneiden. Auf diese Weise können beliebige Papierstücke zu einer Dekoration zusammengebastelt werden, sofern sich die verschiedenen Teile überlappen.

Macht man beim Zeichnen der Form einen Fehler, kann man diesen mit dem Radiergummi beseitigen. Da man beim Zeichnen den Touchscreen verwendet ist es oftmals etwas schwer seine Linien genau zu ziehen, da natürlich der eigene Finger im Weg ist. Und auch wenn man einen Fehler mit dem Radiergummi korrigiert, ist es äußerst schwer an bereits gezeichnete Linien nahtlos anzuschließen. Wenn alles nichts mehr hilft kann man die aktuelle Szene auch komplett zurücksetzten und von neuem beginnen. Die so kreierten Dekorationen werden gespeichert und können fortan zur Dekoration eingesetzt werden.

So friedlich die Papierwelt auch wirken mag, mit eurem Eindringen kommen auch fiese kleine Gegner, genannt Schnipsel, in die Welt. Im Laufe des Spiels werdet ihr mit unterschiedlichen Typen von Schnipseln konfrontiert, die alle auf andere Weise besiegt werden müssen. So muss man bei den ersten Gegnern beispielweise warten, bis sie auf dem Kopf liegen, um sie danach aufzuheben und zu werfen. Die nächsten Gegner wollen auf ihren Stelzen hoch hinaus und bespucken euch mit Papierkügelchen. Das Rezept dagegen: einfach gegen die Stelzen rollen.

Die fiesen kleinen Schnipsel stehlen manchen Bewohnern und Gegenständen in der Welt von Tearaway auch noch ihre Farbe und lassen sie weiß zurück. Auch dagegen könnt ihr etwas tun, indem ihr einfach ein Foto von ihnen mit eurer Papierkamera, die unterschiedliche Objektive und Filter unterstützt, macht. Dadurch erhalten die Modelle nicht nur ihre Farben wieder, sondern ihr erhaltet auch noch das Papiermodell dazu, welches ihr euch auf der Tearaway-Webseite herunterladen könnt. Damit könnt ihr die im Spiel verwendeten Modelle selbst nachbauen und die Welt von Tearaway in euer Wohnzimmer holen.

In jedem Level warten neben Konfetti, Schnipsel und Papiermodellen auch noch Nebenaufgaben und Geschenke auf euch. Die Nebenaufgaben werden euch meist von den Bewohnern der Papierwelt gestellt und umfassen das Dekorieren der Auftragssteller, Finden bestimmter Gegenstände oder Fotografieren bestimmter Motive. Nach erfolgreichem Abschluss der Aufgabe werdet ihr mit Konfetti belohnt. Dieses befindet sich auch in den Geschenken, die es in den Levels zu finden gibt.

Von Anfang an fällt natürlich die ungewöhnliche Grafik ins Auge, denn die Papierdimension hat ihren Namen nicht von ungefähr. Alle Objekte im Spiel bestehen aus Papier und es ist faszinierend anzusehen, wie die Entwickler eine lebendige Welt mit Wasser, Wind und Vegetation nur aus Papier erschaffen haben. Auch die Animationen und die Mimik des Hauptcharakters sind erstaunlich geschmeidig und liebevoll umgesetzt.

Neben der Grafik weiß auch der Sound mit abwechslungsreichen Musikstücken und passenden (Papier)soundeffekten zu überzeugen. Die Steuerung ist sehr vielfältig und nutzt die verschiedenen Fähigkeiten der PS Vita gekonnt aus. Da man die Kamera meist nicht frei bewegen kann, kann es manchmal zu etwas unübersichtlichen Situationen kommen. Auch das Gameplay ist das ganze Spiel hindurch abwechslungsreich, wobei man bis zum Ende mit neuen Mechaniken konfrontiert wird. Ein kleiner Wermutstropfen ist jedoch, dass die Kampagne recht kurz geraten ist, sofern man sich nicht um die Sammelgegenstände kümmert. Leider stehen von Anfang an auch bereits alle Dekorationen zur Verfügung, sodass es hier während des Spiels nichts Neues zu entdecken gibt, außer man ist bastelbegeistert und nimmt Stift und Schere in die Hand.

Fazit

Tearaway entführt in eine bezaubernde Papierwelt, die man im wahrsten Sinne des Wortes in Händen hält. Durch die sinnvolle Nutzung der verschiedenen PS Vita-Funktionalitäten wird eine direkte Interaktion mit der Spielwelt ermöglicht ohne dabei störend zu wirken. Die liebevoll erzählte Geschichte rund um Iota ist zwar etwas kurz, wenn man sich nicht um Nebenaufgaben und Sammelgegenstände kümmert, jedoch sollte man sie als PS Vita-Besitzer erlebt haben. Eine Vielzahl verschiedener, geschickt eingesetzter Spielmechaniken sowie der einzigartige Grafikstil runden das Spiel ab.

Pro

  • Sinnvoller Einsatz der PS Vita-Funktionalitäten
  • Abwechslungsreiches Gameplay
  • Sammelgegenstände
  • Einzigartiger Grafikstil
  • Liebevoll gestaltete Levels
  • Geschichte

Contra

  • Alle Dekorationen von Anfang an erhältlich
  • Kampagne insgesamt etwas kurz
  • Kamera nicht immer frei beweglich

9/10

Über den Autor

Kilian R.

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