Soul Sacrifice ist ein düsteres Action-RPG für dessen Design niemand geringerer als Keiji Inafune, seines Zeichens Designer von Mega Man und Produzent der Onimusha- und Dead Rising-Spiele, verantwortlich zeichnet. Man schlüpft in die Rolle eines Sklaven, der dem mächtigen und grausamen Zauberer Magusar dient und kurz davor steht geopfert zu werden. Bevor er jedoch einen schmerzhaften Tod erleidet, findet er ein magisches, sprechendes Tagebuch, welches sich als Librom vorstellt. Das Buch verspricht einen Ausweg aus der misslichen Lage, wenn man in der Lage ist es zu Ende zu lesen. Mit jedem Kapitel erfährt man dabei nicht nur interessante und wichtige Dinge über Magusar, sondern hat auch die Möglichkeit das Tagebuch, und somit die Geschichte selbst, zu beeinflussen, da man jeden Teil in einer so genannten Phantom Quest erneut durchlebt.

Jede Quest findet in einem abgeschlossenen aber frei begehbaren Areal statt, in dem die unterschiedlichsten Monster auf einen warten. Als Waffen kommen verschiedenste Opfergaben zum Einsatz, von denen man insgesamt sechs Stück, verteilt auf zwei Paletten, in den Kampf mitnehmen kann. Jede Opfergabe ist dabei einer der Aktionstasten (Kreis, Dreieck und Quadrat) zugeteilt und kann auf Knopfdruck aktiviert werden. Die unzähligen Gaben lassen sich in vielfältige Kategorien einteilen. So dienen manche der Beschwörung einer Waffe während andere direkten Magieschaden austeilen. Natürlich gibt es auch defensive Gaben mit denen man beispielsweise einen Schild oder eine Rüstung beschwört, sowie seine Gesundheit regenerieren kann.

Opfergaben erhält man als Belohnung für das Abschließen einer Phantom Quest. Je mehr Punkte man während einer Mission sammelt, zum Beispiel durch mehrmaliges Opfern oder das Ausführen eines Konters, umso bessere Opfergaben erhält man letztendlich. Die Gaben können in weiterer Folge auch verbessert und zu neuen kombiniert werden.

 Soul Sacrifice

Allen Opfergaben gemein ist, dass sie einem bestimmten Element angehören und nach einer bestimmten Anzahl an Benutzungen zerstört werden, wodurch sie mit Bedacht eingesetzt werden müssen. Praktischerweise können zerstörte Gaben außerhalb des Kampfes wieder repariert werden, doch damit es erst gar nicht so weit kommt, kann die Anzahl an Benutzungen auch während einer Mission aufgefrischt werden. An bestimmten Stellen in jedem Areal kann man nämlich von unterschiedlichen positiven Effekten profitieren. Entweder lädt man seine Opfergaben auf, man beschwört eine Waffe, Rüstung oder einen Schild oder man kann sich sogar heilen.

Man findet diese Plätze entweder indem man das ganze Areal genau absucht, oder indem man einfach die Nachtsicht einsetzt. Diese offenbart darüber hinaus auch, wo es Seelensplitter einzusammeln gibt und zeigt zugleich den gesundheitlichen Zustand der Verbündeten und Gegner. Bei speziellen Gegnern werden in der Nachtsicht auch besondere Angriffspunkte markiert.

Die Kernmechanik des Spiels dreht sich um die Entscheidung, ob man einen besiegten Feind opfert oder rettet. Besiegte Feinde verwandeln sich in ihre ursprüngliche Form zurück und ermöglichen es euch, deren Seele in euren rechten Arm aufzunehmen. Rettet ihr einen Gegner, gebt ihr ihm einen Teil eurer Gesundheit wodurch er weiterlebt und euch Lebensessenz gibt. Opfert ihr ihn, stirbt er und gibt euch Seelenessenz. Beide Essenzen stellen Erfahrungspunkte dar, mit denen ihr den jeweiligen Bereich aufleveln könnt. Wer Lebensessenz sammelt kann damit seine Verteidigung und Regeneration verbessern, wohingegen Seelenessenz zur Steigerung der Angriffsstärke benötigt wird.

Für welche „Seite“ man sich entscheidet hat auch Auswirkungen auf euren rechten Arm, der dadurch eher dem Guten oder dem Bösen zugewandt wird. Dies wiederum beeinflusst die Effektivität mancher Siegel, mit denen man seinen Arm verstärken kann. Diese Siegel bieten Boni wie eine höhere Angriffskraft, mehr Schaden mit einem bestimmten Element oder eine verbesserte Gesundheit. Manche dieser Siegel schalten eine zusätzliche Verbesserung frei, wenn der Arm eine bestimmte Stufe wie „Dunkler Arm II“ erreicht hat.

Während der Kämpfe, in die ihr bis zu zwei Verbündete mitnehmen könnt, kann es schon einmal vorkommen, dass man selbst oder einer der Kameraden stirbt. Auch hier wird man vor die moralische Wahl gestellt, ob man den Weg des Lebens oder des Todes wählt. Opfert man sich selbst oder einen Verbündeten wird ein mächtiger magischer Angriff entladen, doch wird man selbst zum Geist oder man verliert einen Verbündeten. Als Geist kann man sich immer noch umherbewegen und durch Antippen die Verbündeten stärken oder die Gegner schwächen. Außerdem erhält man als Märtyrer ebenfalls Belohnungen in Form von Opfergaben. Den Tod eines Verbündeten muss man im Tagebuch mittels Lacrima, den „Tränen“ von Librom, die man nach bestandenen Phantom Quests erhält, tilgen.

Neben den Opfergaben und dem Opfern von Verbündeten, kann man sich auf noch eine Weise gegen die nahenden Monster verteidigen: indem man Teile seines eigenen Körpers  für einen starken Zauber opfert. Hat man während eines Kampfes einen gewissen Teil seiner Lebensenergie eingebüßt, kann man einen Teil seines Körpers opfern, was jedoch auch negative Konsequenzen hat. Opfert man beispielsweise seine Haut wird man dauerhaft mit einem Fluch belegt, der die Verteidigung um die Hälfte reduziert. Glücklicherweise kann dieser Fluch jedoch mit Lacrima wieder gelöscht werden, wobei die Kosten mit jedem Opfer höher werden.

 Soul Sacrifice

Neben der Phantom Quests der Hauptgeschichte finden sich auch viele verschiedene Nebenquests, in denen man teilweise ebenfalls interessante Geschichten zu hören bekommt. Bei den Nebenquests geht es zwar meist auch um das Vernichten bestimmter Monster, doch erhält man ab und an auch ungewöhnliche Aufträge, wie das Sammeln von Seelensplittern oder das Retten eines bestimmten Gegners. All diese Quests können auch im Mehrspielermodus (Ad-hoc oder über das Internet) absolviert werden. Da die Server zum Zeitpunkt unseres Tests noch nicht online waren, konnten wir den Mehrspielermodus leider nicht testen.

Das große Ziel, das durch den Abschluss der Quests verfolgt wird, ist natürlich der Kampf gegen Magusar selbst. Nachdem ihr einen bestimmten Teil der Hauptgeschichte abgeschlossen habt, erhaltet ihr auch schon die Möglichkeit gegen euren Peiniger anzutreten, was sich jedoch erst mit einer bestimmten Stärke empfiehlt.

Grafisch weiß Soul Sacrifice mit unterschiedlichen Arealen, die durch passende Licht- und Partikeleffekte in Szene gesetzt werden, fantasievolle Kostüme und ein ungewöhnliches Monsterdesign zu überzeugen. Sehr gut gelungen ist auch Librom, nicht nur das Aussehen, sondern vor allem die Navigation durch das Buch. Die unterschiedlichen Kapitel werden oftmals durch Animationen und Effekten untermalt. Zusammen mit der ausgezeichneten Hintergrundmusik und der sehr gut gelungenen Synchronisation entsteht so eine äußerst atmosphärische Erzählung. Darüber hinaus finden sich im Buch auch die Verwaltung des Inventars, sowie umfangreiche Hintergrundinfos zu den verschiedenen Aspekten des Spiels.

Die Steuerung wurde sehr akkurat umgesetzt, sodass man sich bei den Kämpfen auf die Taktik konzentrieren kann. Ab und zu kann es jedoch sein, dass der Charakter nicht gleich darauf reagiert wenn man in einem Areal einen Seelensplitter aufheben oder eine der versteckten Stellen benutzen will. Bei der Navigation durch Librom wird es einem zudem freigestellt, ob man die Tasten oder den Touchscreen benutzen möchte.

Fazit

Soul Sacrifice ist ein gelungenes Action-RPG, das vom Missionsaufbau zwar an Monster Hunter erinnert, im Gegensatz dazu aber auch eine interessante und spannende Geschichte zu erzählen hat. In den vielzähligen Kämpfen kommt es auf Geschick und Taktik an, wobei die unzähligen Opfergaben verschiedenste Spielstile ermöglichen. Die Entscheidung gefallene Gegner, Verbündete oder gar sich selbst für das Wohl der anderen zu opfern, bringt auch eine moralische Komponente ins Spiel. Da man unterschiedlichste Opfergaben, Kostüme, Siegel und Flüche erspielen und erstere auch noch verbessern kann, ist für eine lange Motivation gesorgt.

Pro

  • Unzählige Opfergaben
  • Außergewöhnliches Monsterdesign
  • Ausgezeichnete musikalische Untermalung
  • Sehr gute Synchronisation
  • Akkurate Steuerung
  • Atmosphärisches Storytelling

Contra

  • Charakter reagiert nicht immer gleich beim Sammeln von Seelensplittern
  • Wenige unterschiedliche Questtypen

8,5/10

Über den Autor

Kilian R.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.