Nach einer mehr als fünf-jährigen Wartezeit seit dem Erscheinen von Sacred 2, können wir uns nun in Sacred 3 wieder auf die Monsterhatz begeben. Während die ersten beiden Teile der Serie vom mittlerweile geschlossenen deutschen Entwicklerstudio Ascaron Entertainment entwickelt wurden, kommt Sacred 3 aus dem ebenfalls deutschen Hause keen games, die mittlerweile auf eine 19-jährige Erfahrung in der Spieleindustrie zurückblicken können.

Das Herz von Ancaria ist ein mächtiges Artefakt, dessen Besitzer das Schicksal der Welt bestimmt. Einst versteckt und bewacht von den Seraphim ist es nun in die Hände von Lord Zane, dem Herrscher des korrupten Ashen Imperiums, gefallen, der sich mit Dämonen verbündet hat, um mit Hilfe des Artefakts über die Welt zu herrschen. Nun braucht es eine kleine Gruppe tapferer Helden, um sich dem Bösen zu stellen und das Herz von Ancaria aus den Klauen von Zane zu befreien.

Bereits nachdem man sich für eine der zur Verfügung stehenden Klassen und somit für seinen Charakter entschieden hat, merkt man den größten Unterschied zu Sacred 2. Ging es im Vorgänger noch darum eine riesige Welt zu erkunden, Städte und Dungeons zu finden und sich auf neue Rüstungen und Waffen zu freuen, schlägt Sacred 3 einen gänzlich anderen Weg ein. Man befindet sich in einer Lobby über die man sein nächstes Ziel auf einer Weltkarte auswählt, das sogleich geladen wird.

Handelt es sich dabei um eine Hauptmission wird die Geschichte mit einer kurzen Zwischensequenz weitererzählt, wobei man durch sarkastische und witzige Aussagen gleich von Anfang an merkt, dass sich das Spiel nicht allzu ernst nimmt. Danach landet man im jeweiligen Gebiet, durch das man sich dann kämpfen muss. Dabei folgen die Hauptmissionen einem immer sehr ähnlich gehaltenen Schema: ein Stückchen laufen, eine Meute Gegner besiegen, ein Stückchen zum nächsten Checkpoint laufen, eine Meute Gegner besiegen, ein Stückchen laufen und dabei gefährlichen Geschoßen ausweichen etc. bis man letztendlich beim Boss angelangt ist.

Die Checkpoints, die man immer wieder passiert, haben dabei zwei Funktionalitäten: zum einen dienen sie natürlich als Wiederbelebungspunkt, sollte man im Kampf das zeitliche segnen. Zum anderen dienen sie jedoch auch als Sammelpunkt für den Koop-Modus, um zu verhindern, dass sich die Spieler zu weit voneinander entfernen bzw. einer zurückgelassen wird. Erst wenn alle Charaktere beim Checkpoint angekommen sind, wird die vor einem liegende Barriere entfernt und die Helden können ihren Weg gemeinsam fortsetzen. Im Mehrspielermodus werden gefallene Mitstreiter an diesem Punkt auch wiederbelebt und können die Truppe somit wieder unterstützen.

Um sich gegen die nahenden Gegner verteidigen zu können verfügt jeder Charakter über einen Standard, sowie zwei Spezial- und einen blockbrechenden Angriff. Am öftesten kommt dabei natürlich die Standardattacke zum Einsatz, wodurch man gerne mal in Button mashing verfällt. Der blockbrechende Angriff wird eingesetzt um Gegner mit Schild verwundbar zu machen, oder langwierige Gegnerangriffe, wie beispielsweise eine Wirbelattacke oder das Beschwören eines Zaubers, zu unterbrechen. Für die beiden Spezialangriffe wiederum wird Energie verbraucht, die man in Form gelber Kugeln wieder auffüllen kann.

Besiegte Gegner hinterlassen Gold, Gesundheits- oder Energieorbs, jedoch weder Waffen noch Rüstungen. Während es nur eine Rüstung pro Charakter gibt, erhält man im Laufe des Spieles ein paar Waffen, was jedoch vom Spielfortschritt abhängt. Das aufgesammelte Geld braucht man dann um seine Fertigkeiten, Waffen und die Rüstung zu verbessern, wobei die Verbesserungen wiederum durch Levelaufstiege freigeschaltet werden. Mit fortschreitendem Spiel und höherem Level, steigen auch die Rüstung und die Waffen im Level, wobei sich dies lediglich auf das Aussehen der Ausrüstung auswirkt.

Von manchen Gegnern erhält man auch sogenannte Waffengeister, von denen man maximal einen aktivieren kann. Diese bieten unterschiedliche Boni und Mali. So gibt es beim Drachen beispielsweise eine 15%ige Wahrscheinlichkeit bei einem Angriff einen Schild zu generieren, der einen gewissen Schaden absorbiert. Der Nachteil daran ist jedoch, dass der Schild Energie verbraucht, was wiederum auf Kosten der Spezialangriffe geht.

Neben den Hauptmissionen gibt es auch noch Nebenmissionen, bei denen man entweder ein Gebiet von Gegnern befreien oder verschiedene Gegnerwellen besiegen muss. Als Belohnung winken hier natürlich Gold und neue Gegenstände. Verfügt man zu Beginn des Spiels lediglich über einen Heiltrank, kann man diesen Vorrat durch das Abschließen von Nebenmissionen aufstocken. Darüber hinaus erhält man so auch neue Gegenstände wie eine Schutzaura oder Totems, welche die Gesundheit oder Energie regenerieren.

In der Lobby kann man neben Anpassungen zum Charakter auch jederzeit den Schwierigkeitsgrad sowie den Status seines Spiels ändern. So kann man sein Spiel privat, nur für Freunde oder für alle öffentlich schalten. Bei letztem können andere Spieler jederzeit und unabhängig von ihrem Level (man kann auch einstellen, dass nur ähnliche Level an der Partie teilnehmen können) an eurer Partie teilnehmen. Stoßen sie dabei zu euch, während ihr euch in einer Mission befindet, tauchen sie beim nächsten Checkpoint auf und die Stärke der Gegner wird entsprechend der Anzahl der Mitspieler verändert.

Das Spiel mit bis zu drei weiteren Spielern funktioniert dabei problemlos, jedoch wird es durch die weiteren Charaktere vor allem in großen Schlachten noch etwas unübersichtlicher, da man vor lauter kämpfenden Charakteren und Effekten kaum noch sieht, wo man sich selbst befindet. Sehr praktisch ist es natürlich auch, wenn man einen sehr starken Mitstreiter hat, der einen weit höheren Level hat als man selbst. Dieser metzelt auch starke Endgegner in Windeseile nieder und ermöglicht es euch so in Gebiete vorzudringen, für die ihr eigentlich noch viel zu schwach seid. Gefallene Mitstreiter können von anderen Mitspielern innerhalb einer gewissen Zeit wiederbelebt werden oder erscheinen, wie bereits erwähnt, beim nächsten Checkpoint wieder.

Der in den Trailern verwendete Spruch „Victory is ours. Glory is mine.“ kommt im Mehrspielermodus ebenfalls zum Tragen. Für jeden Kill, jede eingesetzte Technik und jedes Wiederbeleben erhält man Punkte. Am Ende einer Mission wird dann abgerechnet und der Spieler mit den meisten Punkten erhält einen 10%igen Bonus auf Erfahrungspunkte und Gold.

Grafisch weiß Sacred 3 immer noch zu gefallen, auch wenn es „nur“ für die alte Generation erschienen ist. Leider machen sich hier jedoch ein paar Schwächen bemerkbar und so flimmern die Teile zerstörter Kisten ab und zu am Boden und an besonders grafikintensiven Stellen bricht schon mal die Framerate etwas zusammen. Insgesamt kann man sich aber auf liebevoll und sehr schön gestaltete Umgebungen freuen, die von gut modellierten und animierten Gegnern bewohnt werden. Auch der Sound steht der Grafik in nichts nach und bietet eine gelungene Synchronisation, sowie motivierende Musikstücke und gute Soundeffekte.

Fazit

Wer sich im Vorfeld nicht über die doch sehr großen Änderungen von Sacred 3 gegenüber seinem Vorgänger informiert, könnte zu Beginn eine große Enttäuschung erleben. Immerhin fehlt eine frei begehbare und zu entdeckende Welt und auch das für solche Spiele typische looten wurde in Sacred 3 weggelassen. Gibt man dem Spiel jedoch eine Chance kann man sehr vergnügliche Stunden damit verbringen, wobei der Spaß proportional zur Anzahl der Spieler (sei es offline oder online) ansteigt.

Pro

  • Spiel konzentriert sich auf die Action und Kämpfe
  • Sehr gut funktionierender drop-in, drop-out Mehrspielermodus
  • Vielfältige Verbesserungsmöglichkeiten der Charaktere
  • Durch Punktewertung sowohl kooperativ als auch kompetitiv
  • Adäquater Schwierigkeitsgrad
  • Grafisch schön anzusehen…

Contra

  • …wobei es kleinere Framerateeinbrüche gibt
  • Hauptmissionen ähneln sich im Aufbau stark
  • Kein looten von Gegenständen
  • Keine frei erkundbare Welt

8/10

Über den Autor

Konrad

Mein Name ist Konrad Lyzczarz, ich bin Herausgeber von Nextgen.at, bin 32 Jahre alt und wohne in Wien!

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