Mit Army of Two: Devil’s Cartel liefern uns die Entwicklerteams von EA Montreal den mittlerweile dritten Ableger des Koop-Shooters. Diesmal müsst ihr als wandelnde Zweimannarmee gegen ein Mexikanisches Kartell vorgehen und legt dabei alles in Schutt und Asche. Allerdings bleibt die Frage offen, ob Devil’s Cartel den Fokus auf Koop-Gameplay beibehält oder zum sinnfreien Retorten-Shooter verkommen ist.

Die Zeiten von Rios und Salem sind vorbei! In Army of Two: Devil’s Cartel übernehmt ihr die Rollen von Alpha und Bravo. Genauso wenig kreativ wie es die Namen der beiden Protagonisten versprechen, gestaltet sich auch die Story von Devil’s Cartel: Ihr findet euch als Agenten von Trans World Operations (kurz T.W.O.) kurzerhand in einem Konflikt zwischen einem skrupellosen mexikanischen Drogenkartell und der Regierung wieder. Auch wenn man von Anfang an versucht der Story zu folgen, stellt sich die Geschichte relativ schnell als  schlecht durchdacht und unlogisch heraus.

Die kurzen Story-Sequenzen zwischen den verschiedenen Level fallen euch vor allem wegen ihrer schlechten Grafik und Inszenierung auf. Wer Dramaturgie oder interessante Dialoge sucht, wird schnell enttäuscht und schon nach kurzer Zeit dem Zwang verfallen, die Zwischensequenzen schlichtweg zu überspringen. Die Dialoge von Devil’s Cartel sind einfach nur platt und erreichen bei weitem nicht die Überdrehtheit und Ironie der Vorgänger. Das abgedroschene „We are awesome!“ ist dabei nur eines von unzähligen Beispielen.

Schlechtes Deckungssystem und unkreatives Leveldesign

ao2tdc_launch_1Aber okay, legen wir mal einmal die Story beiseite – zugegebener Weise war diese auch kein Steckenpferd der letzten beiden Teile – und konzentrieren uns auf das vermeintliche Kernstück von Army of Two: das Koop-Spiel. Auch in Devil’s Cartel ist die Kampagne auf kooperatives Spiel ausgelegt, sei es nun mit einem Freund gemeinsam auf der Couch via Splitscreen oder online. Wer Devil’s Cartel allerdings alleine spielen will, bekommt einen relativ unnützen KI-Partner an die Seite gestellt, wodurch der eigentliche Spielspaß auf der Strecke bleibt.

Obwohl man gerade mit einem Freund einige unterhaltsame Momente mit Devil’s Cartel haben kann, kristallisiert sich schnell heraus, dass eure taktischen Möglichkeiten und vor allem die Notwendigkeit von Teamplay ziemlich begrenzt sind. Mehr oder weniger beschränkt ihr euch darauf, per Knopfdruck von Deckung zu Deckung zu schnellen und euren Gegnern durch simples Flankieren in den Rücken zu fallen. Allerdings funktioniert vor allem das Deckungssystem bei weitem nicht so gut wie noch bei den Vorgängern. Das liegt hauptsächlich an der umständlichen und unpräzisen Steuerung, wodurch es in den actionreichen Feuergefechten leicht einmal zu Frustmomenten kommen kann, wenn eurer Charakter nicht in Deckung geht oder – da ihr im Eifer des Gefechts nicht die richtige Wand mit dem Analogstick anvisiert habt – automatisch über die halbe Karte sprintet, nur um auf dem halben Weg getötet zu werden.

Neben dem verkorkstem Deckungssystem bietet auch das Leveldesign viel Raum zur Verzweiflung. Die einzelnen Passagen der Level sind zum Teil viel zu kurz. Gerade hat man erst angefangen einen neuen Abschnitt zu beginnen und die erste Konfrontation überwunden, da wechselt das Spiel wieder in einen Punktebildschirm und reißt euch kurzerhand aus dem Spielgeschehen. Wenn diese stätigen Zwischenbildschirme wenigstens die Ladezeit verkürzen würden, stattdessen müsst ihr zwischen den Level und den Waffenmenü trotzdem eine gefühlte Ewigkeit warten.  Dank Frostbite-2-Engine könnt ihr eure Umgebung nach belieben zerstören und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Zwar lassen sich nicht alle Konstruktionen zerstören, hinter einer Deckung solltet ihr euch trotz dessen nicht sicher lange wähnen. Die zerstörbare Umgebung ist sicherlich nett anzusehen und trägt dazu bei, dass Devil’s Cartel vor geballter Action nur so strotzt.

Koop-Fokus weicht Actionfeuerwerk

armyoftwodc_04Action ist allerdings nicht alles und das fällt einem als Spieler nach einigen Stunden negativ auf. Viel zu sehr verfällt Devil’s Cartel in die 08/15-Schiene des Shooter-Einheitsbreis. Taktisches Vorgehen und Abstimmung mit dem Partner ist eigentlich unnötig, wenn man mit stumpfsinnigen Vorstürmen in Rambo-Manier genauso weit kommt. Wer einmal ein LMG mit einem 200-Schuss Magazin benutzt hat, weiß genau wovon ich rede.

Zwar macht Devil’s Cartel mit seiner brachialen Action kurzweilig durchaus Spaß, jedoch sinkt die Motivationskurve schnell ins Bodenlose. Ein weiterer Grund dafür ist auch, dass viele Funktionen mit fortschreitendem Spielverlauf zunehmend an Bedeutung verlieren. Am Anfang habt ihr noch jede Menge Spaß damit euch neue Waffen zu kaufen und eure Wummen anzupassen. Im Endeffekt unterscheiden sich die einzelnen Waffen aber viel zu wenig im eigentlichen Spielverlauf und auch die verschiedenen Anpassungsmöglichkeiten wiederholen sich zu schnell. Waffen mit mehr Feuerkraft sind dabei wahrscheinlich die beste Wahl, was auch daran liegt, dass die beschränkte KI euch immer wieder neues Kanonenfutter für eure Flinte liefert. Wer nur annähert eine Herausforderung sucht, sollte deshalb von Anfang an einen höheren Schwierigkeitsgrad wählen.

Kommen wir zu guter Letzt noch zur Grafik. Bei der Aufschrift Frostbite-2-Engine denken viele bestimmt an das gute alte Battlefield 3 und solide Konsolen-Grafik. Auch hier sollte man allerdings nicht zu viel erwarten. Zwar gibt es durchaus schlechtere Vertreter, Freudensprünge macht man bei der Grafik von Devil’s Cartel aber auch nicht. Vor allem die Gesichtsanimationen sind wenig überzeugen – wahrscheinlich besser, dass die Protagonisten die meiste Zeit eine Maske tragen.

Fazit

Kurz gesagt, Army of Two: Devil’s Cartel ist eine Enttäuschung. Wer die ersten beiden Teile der Serie gespielt hat und sich erneut auf einzigartige Koop-Action gefreut hat, wird schnell ernüchtert sein. Das Grundprinzip von Army of Two bleibt zwar erhalten, wird aber deutlich vereinfacht und durch den Mainstream-Shooter-Fleischwolf gedreht. Brachiale Action und Explosionen überwiegen, wohingegen taktisches Koop-Spiel und Story auf der Strecke bleiben. Wer auf der Suche nach einem kurzweiligen Actionspiel ist und keinen Wert auf Story und abwechslungsreiches Leveldesign legt, könnte trotz aller Kritikpunkt Spaß an Devil’ Cartel haben. Alle anderen sollten sich den Kauf zweimal überlegen.

Pro

  • Komplette Kampagne als Koop-Spiel
  • Zerstörbare Umgebung
  • Brachiale Action…

Contra

  • … die sich aber schnell wiederholt
  • Unlogische, schlecht geschriebene Story
  • Deckungssystem funktioniert mäßig
  • Waffenanpassungen verlieren schnell ihren Reiz
  • Schlechtes Leveldesign
  • Zu kurze Levelabschnitte
  • Koop-Anspekt kommt zu kurz
  • Taktische Möglichkeiten sind begrenzt
  • Teamplay wird nicht belohnt

5,5/10

Über den Autor

Maximilian M.

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