Ni No Kuni: Der Fluch der weißen Königin ist das neueste Werk aus dem Hause Level-5, einem traditionsreichen Entwickler, der bereits seit 1998 im Geschäft ist. Für dieses Projekt hat sich der japanische Entwickler mit dem bekannten und erfolgreichen japanischen Animationsstudio Stuio Ghibli zusammengeschlossen, das für seine hervorragenden Anime bekannt ist. Was diese Kooperation hervorgebracht hat und ob Ni No Kuni: Der Fluch der weißen Königin einen Blick wert ist, erfahrt ihr in unserer Review.

Ihr schlüpft in die Rolle des 13-jährigen Oliver, der zusammen mit seiner Mutter Alicia im verschlafenen Städtchen Motorville ein sorgenfreies Leben lebt. Eines Tages jedoch stirbt seine Mutter plötzlich nachdem sie ihn vor dem Ertrinken gerettet hat. Als der kleine Oliver zurückgezogen in seinem Zimmer zu weinen beginnt, fallen die Tränen auf seine Puppe, die er von Alicia bekam, und erwecken diese zum Leben. Das quirlige kleine Ding stellt sich als Tröpfchen, Großmeister der Feen, vor und erzählt Oliver, dass er seine Mutter vielleicht retten kann, wenn sie in seine Heimatwelt Ni No Kuni reisen. Die dafür nötige Magie erhält der kleine Oliver durch den magischen Begleiter, ein Buch für Zauberer, das er von Tröpfchen überreicht bekommt. Um seine Mutter retten zu können müssen sie jedoch die in der Parallelwelt drohende Gefahr, den dunklen Djinn Shadar, überwinden.

Um diesen Plan in die Tat umzusetzen, muss das ungleiche Paar einige Abenteuer überstehen und quer durch die Welt reisen. Auf diesen Reisen durchqueren sie nicht nur verschiedenste Ländereien und Städte, sondern treffen auch auf allerlei Menschen und lernen neue Verbündete kennen. Im Gegensatz zu Olivers Heimatwelt ist Ni No Kuni, auch ohne Shadar, keine sonderlich sichere Gegend, denn überall lauern die verschiedensten Monster, denen man sich im Kampf stellen muss. Glücklicherweise sind diese sowohl auf der Weltkarte als auch in Dungeons sichtbar, wobei der Kampf bei Berührung beginnt. Je nachdem ob man selbst oder der Gegner von hinten angegriffen wird, hat die jeweilige Seite einen Vorteil zu Beginn des Kampfes.

Ni No Kuni Wrath of the White Witch

Ist man zu Beginn des Spieles noch rein auf die Stärke von Oliver angewiesen gesellen sich recht bald die ersten Vertrauten zu ihm. Vertraute sind nichts anderes als zahme Monster, die man im Kampf einsetzen kann. Zu Beginn eines Kampfes entscheidet man sich ob man Oliver oder einen seiner Vertrauten in den Kampf schicken möchte. Jeder der Vertrauten hat dabei unterschiedliche Kampffertigkeiten, sowie Affinitäten und Schwächen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausdauer des Monsters, da es nur für diese Zeit durchgehend im Einsatz sein kann. Während des Kampfes habt ihr jederzeit die Möglichkeit zwischen den Vertrauten und Oliver zu wechseln, wodurch sich eine taktische Tiefe ergibt, die je nach Kampf auch ausgenutzt werden will. Ein ebenfalls wichtiger Aspekt hinsichtlich der Taktik ist die Tatsache, dass sich die Vertrauten und der Charakter die HP und MP teilen. Während des Kampfes tauchen zwischendurch verschiedene Essenzen auf, die ihr aufsammeln könnt. Während grüne Essenzen eure HP heilen, füllen blaue eure MP wieder auf. Darüber hinaus gibt es auch noch andere, besondere Essenzen wie beispielsweise die goldene, die sowohl HP und MP aufladen und euch einen Spezialangriff ermöglichen.

Im Laufe des Spiels schließen sich euch weitere Charaktere an, von denen jeder bis zu drei dieser Vertrauten mit sich tragen und diese auch im Kampf einsetzen kann. Am Beginn eines Kampfes entscheidet man sich welchen Charakter man steuert und welches Monster man in den Kampf schicken möchte. Wie schon bei den Vertrauten, kann man auch hier jederzeit zwischen den unterschiedlichen Charakteren hin und herwechseln. Da man so immer nur ein Monster bzw. einen Charakter auf einmal steuern kann, gibt es die Möglichkeit den anderen Charakteren verschiedene Taktiken zuzuweisen.

Nach dem Kampf erhalten alle Charaktere und deren Vertrauten, unabhängig davon ob sie am Kampf teilgenommen haben oder nicht, Erfahrungspunkte und steigen gegebenenfalls eine Stufe hoch. Dabei erhält man nicht nur eine schöne Übersicht über die verbesserten Attribute und etwaige neu gelernte Fähigkeiten, sondern im Falle der Charaktere werden bei einem Level-Up auch gleich die HP und MP vollständig wiederhergestellt.

Auch außerhalb des Kampfes könnt ihr strategische Entscheidungen treffen. Nämlich dann, wenn es darum geht eure Vertrauten für den Kampf vorzubereiten. Jedes Monster kann nur eine bestimmte Anzahl an Fertigkeiten in den Kampf mitnehmen, die man über das Hauptmenü auswählen kann. Darüber hinaus könnt ihr die kleinen Racker auch noch mit Waffen, Rüstungen und Accessoires ausrüsten, sowie sie mit kleinen Leckereien verwöhnen. Letzteres dient nicht nur dazu gezielt Attribute zu verbessern, sondern stärkt auch die Bindung des Vertrauten mit euch, wodurch sie effektiver werden. Hat ein Vertrauter einen bestimmten Level erreicht kann er sich außerdem weiterentwickeln und auf die nächste Evolutionsstufe springen.

Auch abseits der Hauptgeschichte gibt es in Ni No Kuni genug zu entdecken. Da wären zum einen auf der Weltkarte verstreute Schätze, versteckte Orte und natürlich Nebenquests, die ihr in jeder Stadt annehmen könnt. Hier wird zwischen zwei Typen unterschieden: der Monsterjagd und Aufträgen. Erstere sind schnell erklärt, da man hier lediglich ein gewisses Monster erlegen muss. Aufträge stellen euch vor verschiedene Aufgaben, wie das Finden eines Gegenstandes, das Überbringen von Nachrichten oder auch das Heilen von gebrochenen Herzen. Für letzteres muss man dem Menschen eine Gewisse Eigenschaft wie beispielsweise Mut oder Zurückhaltung wieder zurückgeben. Dafür sucht man sich einen Menschen der die jeweilige Eigenschaft im Überfluss besitzt, empfängt sie von diesem und überträgt sie in weiterer Folge dann an denjenigen mit dem gebrochenen Herz.

Als Belohnung für abgeschlossene Monsterjagden oder Aufträge winken Belohnungen in Form von Gulden, Gegenständen und Stempeln. Diese sammelt man auf verschiedenen Stempelkarten, wobei eine Karte mit zehn Stempeln als voll gilt. Mit diesen vollen Stempelkarten könnt ihr euch dann wiederum Belohnungen abholen, die beispielsweise mehr Essenz in Kämpfen bringt. Leider muss man hier alle Belohnungen nehmen, bevor die nächst höhere Stufe freigeschaltet wird. Als ob man damit noch nicht genug zu tun hätte, kann man sich als Zauberer natürlich auch in der Alchemie versuchen. Hier erstellt ihr entweder nach Rezept oder auf experimenteller Basis allerlei Gegenstände, Waffen, Rüstungen etc. zusammen.

Ni No Kuni Wrath of the White Witch

Bereits von Beginn an weiß die Optik von Ni No Kuni: Der Fluch der weißen Königin zu überzeugen und natürlich ist hier klar die Handschrift von Studio Ghibli zu erkennen. Seien es die vom Studio gewohnt qualitativen Anime-Zwischensequenzen oder die verträumte comichafte Spielgrafik. Die Optik schafft eine atmosphärische und märchenhafte Welt in der man sich leicht verlieren kann. Einen großen Beitrag leisten hier auch die ausgezeichneten Synchronsprecher, wobei man frei zwischen der englischen und japanischen Version wählen kann, sowie der Soundtrack von Joe Hisaishi, der vom Tokyo Philharmonic Orchestra eingespielt wurde.

Beim Gameplay bleibt kein Wunsch des JRPG-Fans offen. Man durchstreift wunderschön gestaltete Städte, Dungeons und eine große Welt auf der Suche nach Geheimnissen und versteckten Schätzen. Hier freut man sich besonders, dass das Umschalten zwischen den verschiedenen Karten enorm schnell und ohne Ladezeiten von Statten geht. Das Kampfsystem mag am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig sein, doch erlaubt es eine Vielzahl an Taktiken, die wiederum von den eingesetzten Vertrauten abhängt. Im Laufe des Spiels erhält man außerdem die Fähigkeit Monster zu fangen und kann somit sein Repertoire an Vertrauten stetig aufbessern.

Ebenfalls positiv erwähnt sei an dieser Stelle der magische Begleiter, der ein umfangreiches Nachschlagewerk für den Spieler darstellt. In ihm finden sich Informationen zu allen Zaubern, Waffen, Gegenständen, Vertrauten etc. Alleine in diesem Buch kann man einige Spielstunden verbringen und viele interessante Hintergrundinformationen über die Welt erfahren. Der größte Kritikpunkt findet sich in der Installation der Daten. Entscheidet man sich während des Spiels dafür, den Titel in einer anderen Sprache spielen zu wollen, muss man die ganzen 4GB an Spieldaten löschen und danach erneut installieren.

Fazit

Ni No Kuni: Der Fluch der weißen Königin ist ein Muss für alle RPG-Fans und solche die es noch werden wollen. Neben einer prachtvollen Welt erwarten euch eine wunderschöne Geschichte, durchdachtes Gameplay, sowie jede Menge Aufgaben und Geheimnisse. Wer die Befürchtung hegt, dass das Spiel ob der kindlich erscheinenden Aufmachung zu leicht ist, sei beruhigt. Vor allem im späteren Verlauf des Spiels muss man in den Kämpfen tiefer in die Taktikkiste greifen, um als Sieger hervorzugehen.

Pro

  • Ausgezeichnete Präsentation
  • Sehr kurze Ladezeiten
  • Magischer Begleiter
  • Viele Schätze und Geheimnisse zu entdecken
  • Unmengen an Aufgaben
  • Tiefgründiges Kampfsystem

Contra

  • Sprachwechsel erfordert Neuinstallation
  • Sparsam eingesetzte Synchronisation
  • Taktik nur während des Kampfes einstellbar

9/10

Über den Autor

Kilian R.

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