Wer ist das? Ein Typ mit langem Mantel und einem nicht weniger eindrucksvollen Schwert flitzt über den Bildschirm. Er sieht jung aus. Quatscht dementsprechend auch wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Vom Cover des Spiels prangt in großen Lettern „DmC“,  könnte es sich…nein, der Typ hat doch kurze schwarze Haare. Doch plötzlich fällt zum ersten Mal sein Name – Dante. Die „Enslaved“-Macher „Ninja Theory“ verpassten Dante neben einer neuen Frisur eine Verjüngungskur die sich gewaschen hat und katapultieren ihn damit in sein neuestes dämonisches Abenteuer. Wir haben Dante auf seiner Reise durch den Limes begleitet!

Klar werden da die „Devil May Cry“-Anhänger der ersten Stunde auf die Barrikaden gegangen  sein, als bekannt wurde, dass die Entwickler „Ninja Theory“ Dante ein völlig anderes Aussehen gegeben haben.  Outfitmäßig ist er seinem alten Style treu geblieben, nur ein neues Detail ziert seinen linken Oberarm: Die englische Flagge. Sein weißes langes Haar – von nun an Geschichte. Als Capcom das englische Entwicklerteam anheuerte, war klar, dass „DmC“ neu erfunden werden soll. Und daran führt kein Weg vorbei. Dante ist frecher, fast schon rotziger geworden. Als ihm in den ersten paar Minuten der Wind eine weiße Perücke aufs Haupt setzt, kommentiert er das kurz und wirft das Ding nüchtern weg. Statt wummernden HeavyMetal-Beats dröhnt von jetzt an rockiger Elektrosound aus den Lautsprechern, der uns damit passend auf das Spielgeschehen bzw. das Verkloppen der Dämonen einstimmt.

Trotz der radikalen Verjüngung ist er seinen loyalsten Begleitern treu geblieben. Die Rede ist von niemand geringerem als seinem Schwert „Rebellion“ und seinen flinken Pistolen „Ebony & Ivory“, die ihn auf der Reise durch die Stadt begleiten. Einer Stadt die ganz gewiss keinem normalen Ort, so wie wir ihn bisher kannten, entspricht. Eine ganz gewöhnliche Kulisse war gestern.  Heute haben wir es mit sich immer wieder veränderten Straßen, Häusern und ähnliches zu tun. Manchmal hindern sie uns am Weiterkommen, manchmal beschimpfen sie uns sogar, aber niemals sind sie nur Hintergrund.

Die Story ist keine besonders Außergewöhnliche. Es gibt einen fiesen Dämon der es auf die Weltherrschaft abgesehen hat, einen „Helden“ der es zu verhindern weiß und jede Menge parodistische Anspielungen auf das Geschehen in der Gegenwart. Unterstützt werden wir dabei von Kat, die zwar Zauberkräfte besitzt, aber ein völlig human wirkendes Wesen darstellt. Sie fungiert als Stütze, welche uns von Zeit zu Zeit, mittels Grafitti , neue Wege eröffnet. Und diese sind gepflastert mit verschiedenen Dämonen, die nur darauf warten eins vor den Latz geknallt zu bekommen.  Daher sollte die Steuerung sitzen, und das tut sie auch. Zu Beginn fängt man klein an, mit einem Knopf für den normalen Angriff, einen für einen etwas Härteren, einen Knopf zum Springen und einem zum Ballern. Später wird das ganze natürlich soweit ausgebaut, dass ihr gegen die große Gegnervielfalt in „DmC“ auch ein Leiberl habt und eure Angriffe untereinander kombinieren und ausbauen könnt.

Aber loses draufkloppen ist hier nicht, denn um eure Angriffe zu perfektionieren ist Gefühl gefragt, denn nur wer die Angriffe durchdacht kombiniert, wird gegen die abwechslungsreichen Gegnerscharren eine Chance haben und die Stilpunkte nach oben treiben. Um neue Angriffe erstehen zu können müsst ihr – wie schon bei den Vorgängern – Dämonenorbs einsacken und diese gegen neue Moves und Uprades eintauschen. Praktisch ist an dieser Stelle, dass ihr im Hauptmenü die Möglichkeit habt die gerade erstandenen Moves zu erproben, trainieren und eure neuen Kombos an einem wehrlosen Dämon austesten könnt. Sehr dämonisch-praktisch!

Dantes gespaltener Persönlichkeit sei Dank habt ihr zudem noch zwei ganz besondere Waffen mit im Gepäck. Im Teufelsmodus (in den ihr mittels rechter Schultertaste gelangt) verwandelt sich eurer Schwert in eine rot glühende, etwas langsame, dafür sehr effektive Axt. Im Engelsmodus (linke Schultertaste) dagegen, verfügt ihr über eine ziemlich schnelle scharf geschliffene Sense, die im bläulichen Licht erstrahlt – heilig eben.  Im Laufe des Spiels kommen zudem noch weitere Waffen zum Einsatz, die an dieser Stelle nicht verraten werden. Eines steht jedoch fest, eurem Stil sind damit kaum Grenzen gesetzt.

DmC Devil May Cry

Die bereits erwähnte musikalische Untermalung passt perfekt ins Spielgeschehen und unterstreicht die adrenalinreichen Kämpfe akustisch tadellos. Der Musikeinsatz wird sogar bei steigendem Stil-rang im Kampf intensiver, schneller, lauter – das betont zusätzlich das wilde Gemetzel wenn ihr euch stylisch in die hohen SSS-Ränge während eines Kampfes gekloppt habt. Sauer stößt uns einzig und allein die deutsche Synchronisation auf. Sie ist nicht schlecht, aber an manchen Stellen wirkt es nicht ganz so stimmig wie wir’s und gewünscht hätten, beinahe schon etwas emotionslos, was die Sehnsucht nach einer originalen Sprachausgabe eindeutig verstärkt. Allerdings lässt sich die Sprache nur ändern, indem man die Systemsprache der XBox360 in den Optionen umstellt.

Die Variation der Gegner wurde von „Ninja Theory“ ordentlich nach oben geschraubt. So wurden einem in den Vorgängerteilen oftmals die gleichen Gegner, mit neuer Bepanzerung, vor die Nase gesetzt, die man kloppen konnte wie man wollte, ohne weitere Strategie. In „DmC“ müsst ihr schon eure grauen Zellen mehr anstrengen, denn die Dämonen, Höllenritter,  und Hexen erfordern nun verschiedene Taktiken und Methoden um sie endgültig ins Jenseits zu katapultieren können.

Neben den hitzigen Kampfgefechten bilden die Plattform-Passagen eine gelungene Abwechslung. Hier dürft ihr eure Akrobatik zur Schau stellen und euch mit Teufelsanker und Engelsschwinge von Plattform zu Plattform schwingen und die wunderbar kreative Spielwelt genießen. Die Levels verlaufen meist linear, doch das ist nicht weiter schlimm, denn das englische Entwicklerteam hat hier noch ein weiteres Zuckerl in petto: In den Levels sind Items, Schlüssel und geheime Türen versteckt, welche ihr beim ersten Mal zocken gar nicht öffnen könnt, weil euch dafür eine bestimme Fähigkeit fehlt. Dadurch seid ihr als ehrgeiziger Videospieler fast schon gezwungen die Missionen noch einmal durch zu zocken, um alle Geheimmissionen in „DmC“ ausfindig zu machen, was die Langzeitmotivation irrsinnig in die Höhe treibt.  Sehr geschickt eingefädelt!

Fazit

Wir mögen den neuen schwarzhaarigen, frechen, vielleicht sogar etwas brutaler gewordenen Dante! Das neue Leveldesign ist großartig, was sich die herrlich-verrückten Engländer da alles einfallen lassen haben, verschlägt einem glatt die Sprache – selten war eine Spielewelt bisher so anders, so cool (aber dennoch so unhöflich).  Am Kampfsystem hat sich nicht viel geändert und das ist auch gut so. Dante metzelt sich noch immer in gewohnt flüssiger Manier durch den Limes und hat dabei  aber so einige Überraschungen parat. Wer Unerwartetes nicht mag: „DmC“ glänzt leider nicht gerade mit einer sehr langen Spielzeit, in knapp 8-10 Stunden dürfte man das Game durchhaben, jedoch sorgen Goodies, versteckte Missionen und vor allem die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade dafür, dass man mehr als 10 Stunden mit „DmC“ verbringen möchte. Für Fans der ersten Stunde ein Muss – für Neulinge ein gelungener Einstieg in das „Devil May Cry“-Universum.

Pro

  • Großartiges Leveldesign
  • Neue Waffen
  • Toller Soundtrack
  • Dynamische Kämpfe
  • Gegnervielfalt

Contra

  • Deutsche Synchronisation nicht so toll ausgefallen
  • relativ kurze Spieldauer

8,7/10

Über den Autor

Janine M.

Tierlieb. Chaotisch. Ordnungsliebend. Witzig (manchmal weniger freiwillig). Verspricht sich gern. RPG und Zombiespielliebhaberin.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.