Child of Light wurde von Ubisoft Montreal entwickelt und benutzt das UbiArt Framework, das auch schon bei Rayman Origins und Rayman Legends zum Einsatz kam. Das Spiel ist von den Arbeiten von Studio Ghibli sowie dem Stil von Yoshitaka Amano inspiriert und hat sich in Sachen Präsentation auch bei Titeln wie Vagrant Story, Final Fantasy VIII und Limbo etwas abgeschaut.

Child of Light erzählt die Geschichte von Aurora, einer Prinzessin, die eines Tages plötzlich aus ihrer Welt gerissen wird und in der Welt von Lemuria erwacht. Von ihrem Wunsch getrieben wieder zurück zu ihrem Vater zu kommen versucht sie einen Weg nach Hause zu finden. Doch dafür muss sie erst die Sonne, den Mond und die Sterne zurück nach Lemuria bringen, die von der mysteriösen Königin der Nacht gefangen gehalten werden. Zusammen mit ihren Begleitern muss sich Aurora nun ihren dunkelsten Ängsten stellen.

Bereits zu Beginn des Spiels trifft man auf den ersten treuen Begleiter in Form eines Glühwürmchens namens Igniculus. Dieser kleine Kerl hat natürlich die Fähigkeit zu leuchten und kann somit dunkle Umgebungen erhellen beziehungsweise die ganze Gruppe heilen. Doch wird dabei seine Energie verbraucht, die sich einerseits langsam wieder regeneriert aber andererseits auch mit Wünschen wieder aufgefüllt werden kann. Diese finden sich in Pflanzen, die bei Berührung Lichtkugeln freigeben. Werden diese eingesammelt, füllt sich die Energieleiste von Igniculus wieder. Sammelt man die Kugeln noch dazu in der richtigen Reihenfolge ein (man muss als nächstes immer die goldene Lichtkugel einsammeln) werden weitere Wünsche freigesetzt, mit denen die HP und MP der Gruppe leicht geheilt werden.

Gesteuert wird Igniculus dabei mit dem rechten Analog Stick oder auf der PS4 auch wahlweise mit dem Touchpad. Praktischerweise kann der kleine Kerl auch zum Öffnen von Schatzkisten eingesetzt werden. Mit Igniculus haben die Entwickler auch eine Koop-Komponente ins Spiel integriert, da das Glühwürmchen auch von einem zweiten Spieler gesteuert werden kann.

Child of Light ist eine Mischung aus Jump’n’Run und Rollenspiel. In den weitläufigen Arealen kann man sich frei bewegen und dank der Feenflügel von Aurora diese auch fliegend erkunden. Wer dabei jeden Winkel untersucht findet immer wieder versteckte Schatzkisten, die nützliche Gegenstände beinhalten, und andere Sammelgegenstände. Mitunter entdeckt man auch Geheimpassagen und versteckte Abschnitte in denen besonders wertvolle Schätze auf einen warten.

Nun ist man jedoch nicht alleine in Lemuria unterwegs und neben freundlichen Zeitgenossen finden sich auch allerlei dunkle Kreaturen, die es nicht gut mit euch meinen. Sobald man einen Gegner berührt, wechselt das Geschehen in den Kampfbildschirm, in dem ihr euch dann mit maximal drei Gegnern konfrontiert seht. Im Laufe des Abenteuers wächst eure eigene Gruppe stetig an, doch können immer nur zwei Charaktere gleichzeitig am Kampf teilnehmen. Praktischerweise lassen sich die Kämpfer jedoch jederzeit während des Kampfes austauschen, sodass man von den jeweiligen Fähigkeiten gebrauch machen kann.

Die Kämpfe selbst verwenden ein ATB-artiges System an, wie man es aus den verschiedenen Final Fantasy-Spielen kennt. Am unteren Bildschirmrand befindet sich dabei eine Zeitleiste auf der sowohl eure Recken als auch alle Gegner zu sehen sind und sich auf der Leiste nach rechts bewegen bis sie am Punkt zwischen Zeit- und Vorbereitungsleiste angekommen sind. Befindet sich einer eurer Kämpfer an diesem Punkt könnt ihr ihm einen Befehl geben. Abhängig vom Befehl benötigt der Charakter dann noch eine gewisse Zeit bis er die jeweilige Aktion am Ende der Vorbereitungsleiste ausführt.

Wird nun ein Kämpfer, egal ob Freund oder Feind, während seiner Vorbereitungsphase getroffen, so wird dessen Vorbereitung unterbrochen und der jeweilige Kämpfer wird auf der Zeitleiste zurückgesetzt. Wenn man es also geschickt anstellt, kann man einen bestimmten Gegner so in Schach halten, dass er den ganzen Kampf über nie zum Zug kommt. Da dies jedoch auch von der Geschwindigkeit abhängt mit der sich sowohl der Gegner als auch eure Charaktere auf der Zeitleiste bewegen, braucht man dafür etwas Geschick und eine gute Taktik.

Praktischerweise kann man Igniculus auch während eines Kampfes steuern und somit in diesen eingreifen. Wie auch auf dem offenen Feld kann man mit seiner Kraft die eigenen Charaktere heilen oder aber man verlangsamt die Bewegung der Gegner auf der Zeitleiste. Natürlich wird auch hier Igniculus‘ Energie verbraucht, doch finden sich auch in den Kampfarealen jene Blumen, die Wünsche freisetzen. Am Ende eines Kampfes erhält man Erfahrungspunkte und einen Fähigkeitspunkt wenn ein Charakter einen Level aufsteigt. Mit diesem kann man den Charakter verbessern, wobei jeder über einen eigenen Fähigkeitenbaum verfügt und einzigartige Fähigkeiten erlernt.

In regelmäßigen Abständen kommt es zu Bosskämpfen, die in der Regel nach dem gleichen Schema ablaufen: zuerst erledigt man die beiden Kompagnons und dann den Boss selbst. Während die Kämpfe auf dem normalen Schwierigkeitsgrad keine Probleme machen sollten, muss man sich auf „schwer“ schon etwas mehr vorsehen, um nicht das zeitliche zu segnen.

Neben Gebrauchsgegenständen wie Heiltränken gibt es auch noch so genannte Oculi, die man in insgesamt drei Slots pro Charakter ausrüsten kann. Dabei handelt es sich um Edelsteine, die in unterschiedlichen Qualitäten vorkommen und je nach Slot verschiedene Auswirkungen auf den Charakter haben. Setzt man einen Saphir beispielsweise in die Waffe ein teilt man Wasserschaden aus, in der Rüstung erhält man Wasserresistenz und als Accessoire erhöht sich die Wahrscheinlichkeit gegnerischen Angriffen auszuweichen.

Neben den „natürlich“ vorkommenden Oculi, die man in Kisten findet oder nach Kämpfen erhält, kann man gesammelte Edelsteine auch kombinieren. Dadurch kann man deren Qualität verbessern und auch gänzlich neue herstellen, die man mitunter nur durch Kombination erhält.

Child of Light ist ein im wahrsten Sinne des Wortes märchenhaftes Spiel. So wird nicht nur die Geschichte in Reimen erzählt, sondern auch die Unterhaltungen mit den unterschiedlichen Bewohnern von Lemuria finden in eben solchen statt. Prinzipiell ist dies ein interessanter Ansatz ein Spiel zu gestalten, doch wirken viele dieser Reime gezwungen und teilweise unpassend. Auch die Grafik und der Sound tragen einen großen Teil zur märchenhaften und sehr dichten Atmosphäre bei. Dank des UbiArt Frameworks kann man sich an der wunderschönen 2D-Grafik, die mit detaillierter und malerischer Gestaltung aufwarten kann, gar nicht satt sehen.

Fazit

Auf den ersten Blick könnte man Child of Light vielleicht für ein nettes kleines Spiel für Zwischendurch halten, das keinen hohen Spielgehalt hat. Doch steckt viel mehr in diesem Spiel als es vielleicht den Anschein hat. Die wunderschöne Grafik gepaart mit einem ausgezeichneten Soundtrack sorgt von Anfang an für eine dichte Atmosphäre und liefert das passende Umfeld für eine märchenhafte Geschichte. Da das Spiel auf dem normalen Schwierigkeitsmodus sehr einsteigerfreundlich ist, empfiehlt es sich für Core-Gamer gleich auf „schwer“ zu spielen, da hier auch die Kämpfe fordernder sind. So oder so muss man Child of Light gespielt haben.

Pro

  • Wunderschöne Grafik
  • Dichte Atmosphäre
  • Märchenhafte Geschichte
  • Interessantes Kampfsystem
  • Einsteigerfreundlich
  • Sammelgegenstände
  • Koop-Modus

Contra

  • Auf „normal“ zu leicht
  • Reime wirken oft gezwungen

9/10

Über den Autor

Kilian R.

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