Mit Bravely Default präsentiert das japanische Traditionsunternehmen Square Enix ein typisches JRPG für den 3DS. Das Spiel ist dabei ein geistiger Nachfolger zum 2010 für den DS erschienenen Final Fantasy: The 4 Heroes of Light, was die vielen parallelen zur Final Fantasy-Serie erklärt. Eine weitere Parallele findet sich bei den Job- und Kampfsystemen, welche denen von Final Fantasy V ähneln.

Die Welt von Luxendarc versinkt in Finsternis und die vier elementaren Kristalle – Feuer, Wasser, Wind und Erde – werden von einer überwältigenden Dunkelheit verschlungen, sodass die Natur aus dem Gleichgewicht gerät. Als sich plötzlich ein großer Abgrund unter dem verschlafenen Dorf Norende auftut, muss Tiz Arrior mit ansehen wie sein Bruder und Dorf verschlungen werden. Als einziger Überlebender setzt er sich den Wiederaufbau seines Dorfes und die Vertreibung der Dunkelheit aus Luxendarc zum Ziel. Dabei schließt er sich Agnès Oblige, der Vestalin des Windes, an, um ihr dabei zu helfen die vier Kristalle wieder zu erwecken. Das Quartett wird komplettiert durch den geheimnisvollen Vagabunden Ringabel, der sein Gedächtnis verloren hat, jedoch über ein Buch verfügt, welches die Zukunft vorauszusagen vermag, und Edea Lee vom Herzogtum Eternia, die sich gegen ihre Heimat und deren Antikristallismus stellt.

Leider hat man mit dieser Beschreibung der Charaktere auch schon alles über sie erfahren, da die stereotypischen Protagonisten im Laufe des Spiels ihren Rollen gerecht bleiben und zu keinerlei Überraschungen gut sind. Dazu gesellen sich gleichermaßen durchschaubare Bösewichte, sodass die Geschichte größtenteils sehr vorhersehbar ist.

Genretypisch übernehmt ihr die Kontrolle über die gesamte Gruppe und erkundet verschiedene Städte, Dungeons und natürlich die Oberwelt. Heutzutage kaum mehr anzutreffen, finden sich in Bravely Default Zufallskämpfe, deren Häufigkeit man über das Optionsmenü anpassen kann. Dabei hat man die Möglichkeit die Zufallskämpfe auf das doppelte anzuheben oder komplett auszuschalten. Während letzteres das Spiel auf Bosskämpfe beschränkt, kann erstere Option dazu führen, dass man relativ schnell aufsteigt und zu stark für folgende Gegner ist.

Das Kampfsystem ist rundenbasiert, wobei man zuerst die Aktionen seiner Charaktere festlegt bevor man die aktuelle Kampfrunde beginnt. Jede Aktion, sei es ein Angriff oder ein Zauber, kostet einen BP. Mittels der Befehle „Brave“ und „Default“ kann man die Nutzung dieser BP beeinflussen und erhält verschiedene taktische Möglichkeiten. Wählt man Default begibt sich der jeweilige Charakter in eine Abwehrhaltung und spart sich einen BP auf.
Mit Brave kann man sich Hals über Kopf in den Kampf stürzen und in einer Runde bis zu viermal angreifen, also dreimal Brave einsetzen. Jeder Einsatz von Brave kostet jedoch einen BP, sodass man ein Minus auf seinem Konto aufbaut. Mit jeder Runde erhält man einen BP zurück, wodurch man so viele Runden „aussetzen“ muss, bis das Konto wieder bei null angelangt ist.

Weiters hat man auch die Möglichkeit jederzeit „Bravely Second“ einzusetzen, wodurch die Zeit während des Kampfes angehalten wird und man selbst sofort intervenieren kann. Um diese Fähigkeit einzusetzen benötigt man jedoch Standby-unkte (SP), die man entweder durch Standby-Zeit des Systems oder durch das Kaufen von SP-Tränken mit echtem Geld auffrischen kann.
Nach einem erfolgreich absolvierten Kampf wird man genretypisch mit Erfahrungspunkten zum Aufleveln der Charaktere und Geld belohnt. Letzteres benötigt man bekanntermaßen zum Kaufen von Ausrüstung, Verbrauchsgegenständen und auch von Magierollen, mit deren Hilfe man neue Zauber erlernt. Darüber hinaus erhält man jedoch auch noch Jobpunkte, die zum hochstufen des jeweils aktiven Jobs benötigt werden.

Insgesamt gibt es in Bravely Default 24 verschiedene Jobs, die jeder Charakter ausüben kann. Die  Jobs unterscheiden sich dabei durch ihre Auswirkung auf die Attribute, sowie deren Waffen- und Rüstungstalente, welche angeben wie gut mit den verschiedenen Waffen und Rüstungen umgegangen werden kann, und natürlich den Fähigkeiten. So verfügt jeder Job über eine Spezialität, also eine passive Fähigkeit, die immer aktiv ist. Während ein Weißmagier beispielsweise nach einem Kampf bestimmte Statuseffekte heilt, beschützt der Ritter Charaktere in Not.

Neben den Fähigkeiten des aktuell ausgewählten Jobs hat jeder Charakter auch noch Zugriff auf die Geschicke eines weiteren, frei wählbaren Jobs. So kann man sich beispielsweise einen Magiespezialisten heranziehen, der sowohl weiße als auch schwarze Magie einsetzen kann, oder einen Kampfspezialisten, der über Kampffähigkeiten verschiedener Jobs verfügt. Zu guter Letzt gibt es auch noch passive Hilfsfähigkeiten, die, wie auch die normalen Jobfähigkeiten, durch das aufleveln des jeweiligen Jobs freigeschaltet und dem Charakter zugewiesen werden können.

Bravely Default hat auch einen großen sozialen Fokus und bietet unterschiedlichste Wege, sich mit Freunden und Fremden zu verbinden. Mit Hilfe von „Abilink“ kann man jeden seiner Charaktere mit einem Freund verbinden und im Kampf dessen Fähigkeit einsetzen. Hat man beispielsweise einen Freund der im Spiel bereits weiter fortgeschritten ist, kann man auf dessen starke Fähigkeiten zurückgreifen. Außerdem kann man befreundete Spieler auch unabhängig von Abilink während eines Kampfes um Hilfe bitten. Wer keine Freunde hat, kann auf ausgewählte KI-Freunde zurückgreifen.

Per StreetPass hat man die Möglichkeit neue Arbeiter für den Aufbau von Norende zu erhalten. Durch den Wiederaufbau des Dorfes – man kann verschiedenste Läden auf- und ausbauen – kann man auch in Dungeons beim Abenteurer, der dort auch für das Speichern zuständig ist, Gegenstände käuflich erwerben. Jede Baumaßnahme im Dorf benötigt eine gewisse Zeit. Je mehr Arbeiter man der jeweiligen Maßnahme zuteilt, umso schneller gehen die Bauarbeiten von statten.

Grafisch präsentiert sich Bravely Default mit schön gezeichneten 2D Hintergründen und soliden 3D Modellen, die teilweise jedoch etwas kantig daherkommen. Die sparsam eingesetzten Zwischensequenzen können qualitativ überzeugen und auch die verschiedenen Kampfeffekte, sowie das durchdachte Interfacedesign wissen zu gefallen.

Soundtechnisch wartet das Spiel mit einer sehr gut gelungenen und umfangreichen englischen Synchronisation auf. Die unterschiedlichen Hintergrundmelodien sind für sich genommen schön anzuhören, bieten aber insgesamt zu wenig Abwechslung, was vor allem in Kämpfen und beim Erkunden auffällt.
Während die Steuerung an und für sich sehr gut ausgefallen ist, gibt es eine Kleinigkeit, die dem geneigten Spieler negativ auffallen könnte. So steuert man seine Charaktere mit dem Analog Pad, doch wird man in den verschiedenen Menüs dazu gezwungen mit dem Steuerkreuz zu navigieren. Zwar handelt es sich hierbei um eine Kleinigkeit, doch fragt man sich, warum es in anderen Spielen kein Problem ist mit dem Analog Stick ein Menü zu steuern und man hier nicht einmal die Option hat, sich selbst zu entscheiden.

Beim Gameplay gibt es leider ein paar Kritikpunkte, die das Spielvergnügen etwas trüben. So kann man zwar die Oberwelt frei erkunden, doch wird man bei der Entdeckung eines neuen Dungeons oftmals mit der Meldung konfrontiert, dass man hier nichts zu tun habe. Um diese Orte dann letztendlich besuchen und erkunden zu können, muss man das passende Nebenszenario finden, sofern es zu diesem Zeitpunkt überhaupt zur Verfügung steht.

In den Dungeons selbst wiederholt sich das Gameplay dann auch recht schnell. Es gilt den aktuellen Dungeon zu durchqueren, dort auffindbare Kisten möglichst zu öffnen und zum Schluss dann den jeweiligen Boss zu besiegen. Zwar gibt es in den Dungeons den ein oder anderen Geheimgang und auch Fallen, doch sind diese ansonsten recht unspektakulär.

Fazit

Bravely Default hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits hat es eine interessante Story, die jedoch mit Vorhersehbarkeit und blassen Charakteren zu kämpfen hat. Zudem gesellen sich wenig abwechslungsreiche Dungeons und eine eingeschränkte Freiheit beim Erkunden. Auf der anderen Seite findet sich ein ausgeklügeltes Kampf- und Jobsystem, welches unterschiedliche Taktiken und viele Anpassungsmöglichkeiten bei den Charakteren erlaubt. Der durchaus starke soziale Fokus, sowie die Idee für ein Kampffeature echtes Geld ausgeben zu können, werfen einen eher zweifelhaften Schatten auf ein gelungenes Spiel, welches jeder JRPG-Fan unbedingt gespielt haben sollte.

Pro

  • Schön anzusehende Grafik
  • Ausgeklügeltes Kampfsystem
  • Viele verschiedene Jobs und Anpassungsmöglichkeiten
  • Sehr gute Synchronisation
  • Interessante Geschichte…

Contra

  • …die mit Vorhersehbarkeit und blassen Charakteren zu kämpfen hat
  • Eingeschränkte Freiheit beim Erkunden
  • Wenig abwechslungsreiche Dungeons
  • Repetitive Abläufe
  • Hintergrundmusik wiederholt sich recht schnell

8/10

Über den Autor

Kilian R.

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