Beyond: Two Souls ist das insgesamt erst vierte Spiel des französischen Entwicklers Quantic Dream, der mit seinen bisherigen Spielen – darunter Fahrenheit und Heavy Rain – immer eigene Wege abseits der eingefahrenen Genretypen gegangen ist. Vor allem Heavy Rain tat sich als interaktives Drama mit einem hohen Grad an Realismus bei Gesichtsanimationen hervor. Beyond: Two Souls legt verglichen dazu noch ein Schippchen drauf und nimmt euch mit auf eine emotionale Reise, die man so noch nicht erlebt hat und die von zwei Hollywood Schauspielern – Ellen Page und William Dafoe – mitgestaltet wurde.

Ihr schlüpft in die Rolle von Jodie Holmes (gespielt von Ellen Page), die seit ihrer Geburt übernatürliche Kräfte durch die Verbindung zu einer unsichtbaren Macht besitzt. Nachdem sie früh von ihren Eltern verlassen wurde nimmt sich der Wissenschaftler Nathan Dawkins (gespielt von William Dafoe) ihrer an und bringt sie in einem Institut unter in dem paranormale Aktivitäten untersucht werden. Doch es dauert nicht lange bis auch die CIA auf Jodies Fähigkeiten aufmerksam wird.

Insgesamt erstreckt sich die Geschichte über fünfzehn Jahre von Jodies Leben, wobei die Story nicht linear erzählt wird. Vielmehr springt man durch die Zeit und erlebt die verschiedenen Ereignisse des bewegten Lebens von Jodie in unabhängiger Weise. So ergibt sich erst im Laufe des Spiels der Zusammenhang zwischen allen Erlebnissen und vor allem deren Auswirkungen auf das Leben von Jodie.

Beyond: Two Souls Screenshots

Zwar ist das Spiel linear aufgebaut, dennoch erhält man als Spieler viele Freiheiten mit der Spielwelt zu interagieren und vor allem zu entscheiden, wie man mit der Umwelt interagieren möchte. Dies erlaubt es dem Spieler Beyond: Two Souls im Tempo seiner Wahl zu spielen und das Erlebnis dementsprechend zu intensivieren. Während in anderen Spielen beispielsweise ein Charakter nach Hause kommt und ins Bett geht, erhält man in Beyond: Two Souls die Möglichkeit sich zu entscheiden, wann man zu Bett geht, was man davor tut und wie man den Abend verlebt.
Dies mag sich für manchen banal und langweilig anhören, doch sind es genau diese Szenen und Tätigkeiten, die es dem Spieler erlauben sich in die Welt und den Charakter hinein zu fühlen und ein Teil der Erfahrung zu werden.

Bei der Steuerung setzt Quantic Dream auf das in Heavy Rain eingeführte Konzept. Mit dem rechten Stick kann man mit der Umgebung interagieren, wobei mögliche Interaktionen mit einem weißen Punkt markiert werden. Abhängig von der eigenen Position muss man den rechten Stick dann nur in die entsprechende Richtung drücken, um mit der Umgebung oder auch Personen interagieren zu können. Darüber hinaus gibt es auch wieder kontextabhängige Tasteneingaben, bei denen man ein Taste gedrückt halten oder so schnell wie möglich drücken muss.

Sehr interessant ist das Kampfsystem, welches des Öfteren im Spiel zum Einsatz kommt. Läuft das Spiel während eines Kampfes in Zeitlupe ist es an euch zu reagieren. Dabei muss man den rechten Stick in die Richtung drücken, in welche die Bewegung von Jodie geht. Schlägt sie also einen rechten Haken und macht somit eine Bewegung nach rechts, gilt es den Analog Stick nach rechts zu drücken, um die Bewegung erfolgreich abschließen zu können.

Anders als noch bei Heavy Rain, steuert man Jodie nun komplett mit dem linken Analog Stick, wobei die Steuerung hierbei vor allem an engen Stellen manchmal etwas hakelig ist. Mit dem rechten Stick kann man sich hingegen, wenn auch nur eingeschränkt, umsehen. Ganz anders sieht es aus wenn man sich mit Aiden, der unsichtbaren Macht mit der Jodie verbunden ist, bewegt. Durch Drücken der Dreieck-Taste wechselt man zwischen Jodie und Aiden hin und her. Mit Aiden hat man die Möglichkeit die Umgebung frei zu erkunden und auch durch solide Objekte zu fliegen, solange die Distanz zu Jodie nicht zu groß wird.

Aiden kann mit verschiedenen Objekten interagieren und diese beispielweise bewegen oder stören. Darüber hinaus kann er auch in bestimmte Menschen schlüpfen, die man daraufhin kontrolliert, oder sie sogar töten. Da sich Jodie und Aiden nicht immer einig sind, wird sie Aiden (oder besser gesagt euch) auch oftmals bitten etwas nicht zu tun. Jedoch liegt die Entscheidung letztendlich bei euch, wie ihr euch verhaltet und ob ihr der Bitte von Jodie nachkommt. Die Möglichkeit beide Charakter steuern und Entscheidungen an ihrer statt treffen zu können, erlaubt euch noch mehr Einfluss auf das Geschehen zu nehmen und das Leben von Jodie zu beeinflussen.

Während ihr mit Aiden unterwegs seid könnt ihr auch versteckte Gegenstände finden, mit denen Bonusinhalte wie Videos und Konzeptzeichnungen freigeschalten werden können. Interessant ist auch die Möglichkeit das Spiel zu zweit zu bestreiten. Im sogenannten Dualmodus übernimmt ein Spieler die Steuerung von Jodie während der andere in die Rolle von Aiden schlüpft, wodurch sich weiter interessante Dynamiken ergeben können. Je nachdem welche Entscheidungen ihr im Laufe des Spiels trefft, gibt es auch wieder verschiedenen Enden zu erleben.

Beyond: Two Souls Screenshots

Grafisch gehört Beyond: Two Souls zu den derzeit schönsten Spielen, die man auf der PlayStation 3 spielen kann und vor allem im Bereich der Animation setzt der Titel neue Maßstäbe. So sind nicht nur die Ganzkörperanimationen vom feinsten, sondern vor allem die Mimik der verschiedenen Charaktere ist derzeit unerreicht. Natürlich seien an dieser Stelle auch die wunderschönen Umgebungen sowie die ausgezeichneten Partikeleffekte erwähnt.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der zum intensiven Erlebnis beiträgt, ist die wunderschön komponierte Musik, die sowohl rasante als auch ruhige Momente perfekt untermalt. Auch die deutsche Synchronisation weiß qualitativ zu überzeugen. Leider ist jedoch die Lautstärke mancher Dialoge im Spiel etwas zu leise geraten, sodass man sie ob der Hintergrundmusik kaum hören kann.

Fazit

Beyond: Two Souls tritt in die Fußstapfen von Heavy Rain und füllt diese mehr als aus. Somit stellt David Cage ein weiteres Mal die Spielwelt auf den Kopf und konfrontiert die Spieler mit einem interaktiven Drama, welches mehr einem Film denn einem Spiel ähnelt. Doch finde ich daran nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil ist es erfrischend zu sehen, dass sich nicht jeder den eingefahrenen Genretypen unterordnet, sondern jemand etwas Eigenes, Außergewöhnliches erschafft. Beyond: Two Souls ist sicher nichts für jedermann. Wer sich schon mit Heavy Rain nicht anfreunden konnte, wird auch mit Beyond: Two Souls nicht glücklich werden. Wer sich hingegen auf das Spiel einlässt hat die Möglichkeit eine intensive und vor allem sehr emotionale Geschichte zu erleben.

Pro

  • Einzigartiges Erlebnis
  • Wunderschöne Grafik und realistische Animationen
  • Intensive, emotionale Story
  • Intuitive Steuerung

Contra

  • Steuerung manchmal etwas hakelig
  • Sprachausgabe teilweise zu leise
  • Ab und zu Ruckler nach Autosave

9,5/10

Über den Autor

Kilian R.

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